Im Jahre 1000 bereits begann die frühe Beziehung Deutschland mit Polen. In diesem Jahr versprach Kaiser Otto III., (983 - 1002) dem polnischen Herzog Boleslaw Chrobry am Grab des hl. Adalbert in Gnesen (Polen) eine Eheverbindung zwischen dem damals noch jungen Sohn des Boleslaw Miezko, und seiner Nichte, die erst im Kindesalter stehenden Richeza.
Heutige Polen waren auf ihren Spuren: Auf dem Weg zum Katholikentag nach Paris machten 53 Jugendliche aus Polen Station in Zell (Rhein-Zeitung vom 6. August 2002) und kamen auf dem Rückweg nach Cochem. Hier in einem Cafe fand einer der Jugendlichen ein Bild einer Reiterin auf einem Pferd an einer Hauswand und der Bezeichnung "Polenkönigin Richeza". Die Bedienung konnte ihm dazu nichts sagen, eine andere Frau wusste dazu, die Polenkönigin sei die Besitzerin der Burgen in Cochem und Klotten gewesen und habe vor 1000 Jahren dort einmal gewohnt, man möge doch einmal in Klotten fragen, die wüssten sicher mehr darüber. Nach der Weiterfahrt bat man den Reiseleiter doch einmal in Klotten zu halten. Am Fährkopf stieg man aus und fragte einen Mann, der am Moselufer stand, nach der Polenkönigin Richeza "Mir hon en Richeza off da Burch, dem Lehrer Locker sein Frä, dat es awwa kähn Königin". So machte man sich weiter auf den Weg, Personen im Ort brachten den Brauweller-Platz mit der Königin in Verbindung, wussten aber auch nicht mehr, ein anderer erwähnte etwas von einem Portalsturz im Gemeindehaus, der Name der Königin sei darauf aber nicht genannt. Im Ort, am Hause des Dr. Winter, wurde ein kleiner Hinweis gefunden und eine Bronzetafel ausfindig gemacht mit ihrem Siegelbild und der Inschrift: "Ort der ehemaligen Residenz der Polnischen Königin Richeza + 12. März 1063 (richtig der 21.03.1063) Enkelin Kaiser Ottos II.". Das war alles, was man von ihrer Königin ausfindig machen konnte. Bei der Weiterfahrt im Autobus meinte einer, er habe im Ort noch eine Rigenzastraße entdeckt, das sei doch sicherlich kein Hinweis auf sie gewesen und ihrer auch nicht würdig.
In Klotten weilte sie 1040 bis 1047 bzw. 1049:
Die Polenkönigin Richeza, Enkelin Kaiser Otto II. (973 - 983) lebte nach Ihrem Wegzug aus Polen (Richeza verließ 1032 Polen, nach dem von ihrem Schwager Meschko II. "Besprim" organisierten Staatsumsturz und reiste nach Deutschland, wo sie auch weiter als polnische Königin galt.) von 1040 bis 1047 bzw. 1049 auf ihren Gütern in Klotten/Cochem. Es ist schon eine imponierende Perspektive, dass ihr Sohn Kasimir "der Erneuerer", 1075 zum König von Polen gekrönt wurde und vielleicht sogar als Kind mit seinen Schwestern Gertrud, die spätere Ahnfrau und Großfürstin von Russland und Richeza (die wie ihre Mutter hieß), die Stamm-Mutter der Könige von Ungarn, in ihrer Jugendzeit einige Jahre in Klotten verbrachten. Richeza war die Tochter von Pfalzgraf Erenfrid ("Ezzo") und Mathilde, der Tochter des Kaisers Otto II. Otto der Große (geb. 936, gest. 983), er war ihr Großvater mütterlicherseits. Da ihre Geschwister alle unverheiratet und im geistlichen Stande, vor Richeza starben, erbte sie das ganze Vermögen der Pfalzgrafenfamilie. Dieses vormachte sie zum größten Teil dem Kloster Brauweiler bei Köln, das ihre Eltern als Begräbnisstätte gegründet hatten. In einer Urkunde vom 6. Mai 1056 übertrug sie im Beisein von Kaiser Heinrich III. (1039 - 1046) ihr Prädlum Klotten mit den Gütern in Kaifenheim, Eller, Bremm, Kaisersesch, Masburg, Wirfus, die Höfe Caveloch u. Summet (b. Klotten), Weilerhof, Cochem, Cond, Merl, Lutzerath, Driesch, Reil und Enkirch dem Kloster Brauweiler. Diesen großen Besitz wollte aber auch der Erzbischof Anno von Köln für seine Kirchengründungen haben. Richeza hatte ihn zum Beschützer all ihrer Güter bestellt.
Mittelalterliche Brauweiler Quellen, wie das "Chronicon Brunwilerense" oder die "Acta Brauweilerensium", enthalten den Hinweis, dass Königin Richeza um 1040 in Klotten eine Eigenkirche erbauen ließ, die dem Brauweiler Klosterpatron, dem hl. Nikolaus, geweiht war. Während ihrer Anwesenheit in Klotten wohnte sie in einem der Kapelle gegenüberliegenden Wohnturm. Der Chronist erzählt, dass man sich genötigt sah, sobald die Königin mit ihren Kammerjungfern und der Dienerschaft in die Hofkapelle eingetreten war,
die Türen zu verschließen, da das Volk sich hereindrängte und durch Unruhe die fromme Königin in ihrer Andacht störte. Der Volksmund nannte die Kapelle auch "Frauenklause". Nach dem Tode der Königin ging diese in den Besitz der Abtei Brauweiler über. Das Kloster errichtete auf dem Grundstück ein Prioratsgebäude und beherbergte hier zur Sicherung der Einkünfte, zumindest im Herbst, einige Mönche. Jahrhundertelang diente die Kapelle den in Klotten anwesenden Benediktinern für den Gottesdienst, in ihr wurden sie auch begraben.
Als sie am 21. März 1063 in Saalfeld gestorben war und über Würzburg nach Köln ins Kloster Brauweiler gebracht werden sollte, bemächtigte sich Erzbischof Anno des Leichnams und ließ ihn in die Kölner Kirche "Maria ad Gradus" bringen, denn die Königin hatte festgelegt, ihre Moselbesitzungen werde das Kloster erhalten, in dem sie begraben werde (im Kloster Brauweiler war eigens eine Gruft für sie neben ihren Eltern erbaut). Es kam zu einem langjährigen Rechtsstreit zwischen dem Erzbistum Köln und dem Benediktinerkloster Brauweiler, der vom Papst in Rom zu Gunsten von Brauweiler entschieden wurde. Richezas Leichnam blieb in der Kölner Kirche "Maria ad Gradus", bis diese nach der Säkularisation abgerissen wurde. Seit 1817 steht ihr Sarg in der Johanneskapelle hinter dem Hochaltar im Kölner Dom. Wegen ihres Lebens der Wohltätigkeit und der Nächstenliebe wurde Richeza seit dem Mittelalter als Selige (im Kölner Raum auch als Heilige) verehrt, ihr Namenstag wird am 21. März gefeiert.
Die Kinder der Polenkönigin Richeza:
Nach vielerlei blutigen Revolten, die das polnische Staatsgefüge zerrüttet hatten, wurde die Erneuerung des Staates die Aufgabe von Richezas Sohn Kasimir. Er war geboren am 26. Juli 1016. Seine Rückkehr war ein Wagnis, das er entgegen der Warnung seiner Mutter unternahm. Unterstützt wurde er von seinem Onkel dem Kölner Erzbischof Hermann II., Dank dessen Hilfe erhielt er ein Gefolge von 500 schwer bewaffneten Rittern. Trotzdem dauerte es einige Jahre, bis er sein Land befreit und zurückerobert hatte. Dann aber verlieh ihm die Geschichtssehreibung den Namen des Erneuerers, des Restaurators von Polen.
Kasimir verzichtete ausdrücklich auf ein Erbe nach seiner Mutter. Er setzte sich weiter, wie bereits seine Mutter, für die Verbreitung des Christentums ein, rüstete nicht für Feldangriffe, sondern nur für die Verteidigung. Er verbündete sich mit dem damaligen mächtigen Fürsten Jaroslaw Madrym und heiratete dessen Schwester Marie Dobroniege, die ihm vier Söhne gebar. Er starb am 28. November 1058. Kasimir hatte auch als Herzog von Polen die Verbindung zum Westen nie abreißen lassen. Unter seinen mannigfachen Benediktinergründungen in Polen befindet sich das Kloster auf dem Berge Tyniec bei Krakau, in das er Mönche von Köln berufen hatte. Diese Verbindung ist bis zum heutigen Tage erhalten geblieben. Das Krakauer Domkapitel trägt noch heute die drei Kronen Kölns im Wappen.
Über die Tochter Gertrud gibt es nur wenige Aufzeichnungen. In den Nowgoroder Chroniken heißt es, "dass in den 40-er Jahren des 11. Jahrhunderts der Fürst Isjasiaw von Nowgorod, der Sohn Jaroslaws Wladimirowitsch, die Schwester des polnischen Fürsten Kasimir I., Gertrud, heiratete."
Aus der Ehe zwischen Isjaslaw und Gertrud stammen einige Kinder. Die berühmtesten unter ihnen waren die Söhne Mstislaw, Jaropolk und Swjatopolk. Nach dem Tode des Fürsten Jaroslaw 1054 wurden Isjaslaw und Gertrud die Fürsten von Kiew. Im Jahre 1068 wurde Isjaslaw aus Kiew vertrieben, erhielt aber militärische Hilfe des polnischen Fürsten Boleslaw II. Aufgrund dessen machte sich Isjaslaw auf den Weg zum deutschen Kaiser Heinrich IV. nach Mainz. Darüber berichtet der deutsche Chronist Lambert von Hersfeld.
Sein Sohn Jaropolk begab sich auf die weite Reise nach Rom zum Papst Gregor VII., der kurz danach in seinem Brief an Isjaslaw Jaroslawitsch den Wunsch äußerte, die russischen Fürsten unter die Obhut des Throns vom Heiligen Petrus zu nehmen. Gertrud ist die Ahnfrau der Großfürsten von Russland.
Aus Ungarn, wohin die zweite Tochter Richezas heiratete, wird folgendes mitgeteilt: "Es ist wahrscheinlich, dass sie so wie ihre Mutter Richeza hieß. Hinter ihren Namen setzen aber die Genealogen ein Fragezeichen. Die Fachliteratur ist unterschiedlicher Meinung darüber, ob sie zur Zeit des Königs Kasimir oder des Mieszko II. geheiratet hat. Die neuesten Forschungen sind für die Jahre 1040 (d. h. Zeit Kasimirs), einen direkten Beweis dafür gibt es aber nicht." Wie ein ungarisches Buch über König Ladislaus den Heiligen berichtet, lebte die junge Richeza in dieser Zeit in einem Nonnenmonasterium bei der Schwester der älteren Richeza, die in diesem Kloster äbtissin war. Königin Richeza, Frau des Königs Bela I., lebte zwischen 1051 und 1059 in Ungarn in der Burg von Bihar. 1059 flohen sie und ihr Gatte nach Polen und kamen erst nach 1060 zurück nach Ungarn. Ihr weiterer Lebensweg ist uns völlig unbekannt. Sie hatten 5 bis 6 Kinder, unter ihnen zwei Söhne: "Géza I. und Ladislaus der Heilige, Könige vor Ungarn".
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| Autor: | Alfons Friderichs |
| Veröffentlicht: | Heimat zwischen Hunsrück und Eifel (Rhein-Zeitung) |
| Datum: | 2003 |