Ein Baum, der mir etwas bedeutet !

Mein Biologiekurs hat sich für eine Hausarbeit das Thema "Baum" gestellt und mir persönlich ist dabei sofort ein Kirschbaum eingefallen, in dessen Nähe ich früher viele Stunden mit meiner Freundin Svenja verbracht habe, die nun in Kanada wohnt.Nachdem ich meine Erinnerungen hinsichtlich des Baumes zu Papier gebracht hatte, interessierte es mich nun, welche Erlebnisse Svenja noch mit dem Baum in Verbindung brachte. Also schrieb ich ihr daraufhin einen Brief nach Kanada, indem ich sie darum bat, mir einmal mitzuteilen, welche Assoziationen sie bei dem Wort "Unser Kirschbaum" noch hatte. Einige Wochen später lag ein Brief von ihr im Briefkasten, indem sie sich über jenen Kirschbaum äußerte.

Nun kann man, wie folgt, ihre Aufzeichnung mit den meinigen vergleichen :

Kyras Aufzeichnung                                        
Svenjas Aufzeichnungen                                                                                   
Den besagten Kirchbaum findet man auf der angrenzenden
Wiese meines Dorfplatzes vor. Als ich früher noch die Grund-
schule besuchte, ging ich jeden Morgen an ihm vorbei, um meine
Freundin zum täglichen Unterricht abzuholen. Der Kirschbaum
war der erste Baum gewesen, indessen Krone ich mit Hilfe meiner
Freundin geklettert bin, so daß nach einiger Zeit ihr Vater mit einer
Leiter kommen mußte, um mir, weil ich ganz plötzlich Angst be-
kommen hatte, beim Abstieg behilflich zu sein. 
Ich wurde jedoch älter, und gleichzeitig hörte meine Angst auf
Bäume zu klettern auf. Im selben Jahr flog meine Freundin zum 
ersten Mal mit ihren Eltern nach Kanada und brachte von dort
Meeressand mit, den wir zu Hause in eine schließbare Dose füllten,
die wir in das Loch, daß sich im Gipfel des Kirschbaumstammes
befand, legten.Dabei schworen wir, daß wir, im Falle eines Streites
Den Sand verstreuen würden und dabei an unsere alte Freund-
schaft zurück denken.Diese Situation trat ein, und als ich die Dose
öffnete, war sie bereits leer. Wir vertrugen uns wieder, und als wir
mit zwölf Jahren beide ihren Nachbarn so unwahrscheinlich toll
fanden, er uns aber leider keine Beachtung schenkte, wurden wir
sozusagen dazu gezwungen, ihn heimlich zu beobachten. Mit der
Zeit bemerkten wir, daß er sich abends immer mit seinen Freunden
unter dem Kirschbaum traf. Wir nutzten diese Chance und eines 
Tages hatten wir wirklich Glück, da er sich unter jenem Kirschbaum
niederließ, während wir, regungslos, von der Nacht umhüllt, auf
einem Ast saßen.Danach erledigte sich die Sache mit ihm von 
selbst. 
Vor einigen Wochen ging ich eines späten Abends, einen Tag 
vor meinem Geburtstag zu dem Baum. Um kurz nach zwölf dachte 
ich an meine Freundin, die nun in Kanada wohnt, und fragte mich, 
ob sie auch an mich denkt. Zu Hause angekommen, gab es ein
Geburtstagsfax für mich. Von ihr natürlich.  
Liebe Kyria !
(...) Du wolltest von mir wissen, an was ich bei dem Wort "Kirschbaum"
denke. Ich mußte sofort an unseren Kirschbaum denken, der neben
unserem Haus und den ich von meinem Fenster aus sehen konnte.
Leider gibt es hier in Kanada auf unserer Farm keine Kirschbäume
und mir fehlen die saftigen Kirschen im Sommer. Dabei fällt mir ein, 
wie wir einmal unbedingt Kirschen essen wollten, aber die Äste vom 
Baum nicht erreichten. Ich glaube, wir waren damals noch im dritten 
oder vierten Schuljahr. Als wir es dann irgendwie doch geschafft hatten,
auf den Baum zu klettern, um Kirschen zu pflücken, bist Du vom Baum 
gefallen, und hast angefangen zu weinen, weil die Haut an Deinen
Knien abgeschürfft war. Wir sind zu mir gegangen und ich habe Dir
die gute Gesichtscreme meiner Mutter auf Deine Knie geschmiert.
Die Creme war danach aufgebraucht und Du hast wieder gelacht, im 
Gegensatz zu meiner Mutter. An was ich mich aber noch gut erinnern
kann, ist, wie wir einmal auf dem Baum gesessen haben um Dominic
zu beobachten, der sich doch immer unter dem Baum mit seinen 
Freunden traf. Wir haben uns an diesem Abend extra schwarze 
Kleidung angezogen, damit sie uns nicht entdecken konnten. Aber
was Dominic an diesem Abend für eine Sch.... geredet hat. Danach 
habe ich mich wirklich über mich selbst aufgeregt, daß ich solange
in ihn verliebt gewesen bin. (...)
Deine Svenja 

 

 

Bild : Kyra rechts und Svenja links beim Tanzen
Wenn ich heute manchmal mit einer Situtation nicht sofort zurechtkomme, dann gehe ich zu dem besagten Baum, und denke an die vielen 
glücklichen Stunden zurück, die ich dort mit Svenja verbracht habe. Dann wird es mir immer sofort leichter ums Herz und ich gehe wieder 
zufrieden nach Hause. Eigentlich vergleiche ich die Wurzeln des Baumes mit den Wurzeln der Freundschaft zu Svenja. Durch die phantastische 
Erfindung des Internets werden die Erinnerungen wieder lebendig und Mensche zweier Kontinente werden zusammengeführt. 

 

Wem ähnliche Erlebnisse mit einem Baum widerfahren sind wie mir, der kann mir seine Geschichte schreiben :

mailto:wwesting@rz.-online.de

 

Kyra Böckling

Klasse 11a des Bischöflichen Cusanus-Gymnasiums Koblenz

Biologie-Kurs 3 / Grönert


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