Brunft und Fortpflanzung
beim Rotwild
Ab Mitte September konkurrieren die Rothirsche um den Harem. Der Platzhirsch sucht das Kahlwildrudel auf. Er markiert den Brunftplatz, indem er mit den Vorderschalen und dem Geweih Bodenvertiefungen schlägt. Zusätzlich werden in unmittelbarer Umgebung kleine Stämme und Büsche mit dem Geweih bearbeitet. Dabei werden die Vorderaugendrüsen geleert. Immer wieder röhrt der Haremsbesitzer im Revier des Rudels, lockt dadurch die weiblichen Tiere an und hält Herausforderer auf Distanz. Beihirsche (geringe Hirsche z.B. Spießer) werden am Rande des Rudels geduldet, wenn sie dem Kahlwild nicht zu nahe treten. Herausforderer werden vertrieben. Nähert sich ein Herausforderer röhrend, versucht der Platzhirsch mit einer schnelleren Ruffolge zu antworten. Gibt der Herausforderer dann nicht auf, stolzieren die Konkurrenten in 5 bis 10 Meter Abstand nebeneinander einher und imponieren mit ihren Breitseiten. Manchmal treten sie dabei zur Seite und wühlen mit dem Geweih den Boden auf. Flieht keiner, senken plötzlich beide ihre Köpfe, prallen mit den Geweihen aufeinander und versuchen sich gegenseitig rückwärts zu schieben. In der Regel flieht dann der Schwächere, wenn der Druck des Gegners etwas nachläßt. Meist gewinnt der Platzhirsch! Solche Kämpfe laufen nach genetisch programmierten Regeln ab und werden im Gegensatz zu Beschädigungskämpfen (die bei Rothirschen relativ selten sind!) als Kommentkämpfe bezeichnet. Neben Kommentkämpfern und Beschädigungskämpfern gibt es noch Sondierer, Einschüchterer und Vergelter. Der Sondierer beginnt mit Kommentkampf und wechselt bei Kommentkampf seines Gegeners in Beschädigungskampf über. Ist sein Gegner Beschädigungskämpfer, flieht der Sondierer. Der Einschüchterer beginnt immer mit Beschädigungskampf, flieht aber, wenn sein Gegner diese Kampfart beherrscht. Der Vergelter beginnt mit Kommentkampf und wechselt bei Beschädiguungskampf seines Gegners ebenfalls zum Beschädigungskampf. Platzhirsch und Herausforderer des Remstecker Geheges scheinen beide Kommentkämpfer und annähernd gleich stark zu sein. Sie tauschten in der diesjährigen Brunftzeit schon zweimal ihre Stellung.

Die weiblichenTiere sind nur wenige Tage brunftig und werden in dieser Zeit mehrmals hintereinander beschlagen. Dabei treibt der Hirsch sie über den Brunftplatz.

Während der Brunftzeit beobachtet man beim Hirsch folgende Gebärden:
1. Herausstrecken des Leckers, der in kurzen Abständen über den Windfang fährt.
2. Flehmen, Hochziehen der Oberlippe, ohne einen Laut abzugeben. Vielleicht verstärkt der Hirsch durch den dabei aufgenommenen Geruch des brunftigen Tieres seine geschlechtliche Erregung.
3. Zucken der Brunftrute als Ausdruck geschlechtlicher Erregung.
4. Eckzahndrohen, wenn der Hirsch seinem Konkurrenten die Grandeln zeigt.

Die Brunft endet in den ersten Oktobertagen.

Die Tragzeit beträgt 34 Wochen.

Im Mai/Juni setzt das Alttier, nachdem es sich vorher vom Rudel abgesondert hat, das Kalb (selten zwei). Das Kalb wird zunächst abgelegt und das Altier kommt nur zum Säugen. Kurze Zeit darauf bilden Altiere, Kälber, Schmaltiere und Spießer (Vorjahreskälber) eigene Rudel mit einem Leittier.

Die Hirsche finden sich zu Hirschrudeln zusammen, die meist vom jüngsten Hirsch geführt werden.

Der Platzhirsch kämpft mit einem jungen Beihirsch (Spießer)
2.
Kopf

Hansjörg Groenert
Fachleiter für Biologie am Staatl. Studienseminar für das Lehramt an Gymnasien Koblenz

Fragen und Kommentare bitte als E-mail an: hjgroenert@uni-koblenz.de

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Zuletzt geändert am 30.09.1996.