Grundlagenpreis 1999

Prof. Dr. Dr.h.c.mult. Vladimir Alexandrowitsch Kotelnikov


für die erstmalige theoretisch exakte Formulierung des Abtasttheorems.



 
 
 

Curriculum Vitae von Prof. Dr. Dr.h.c.mult. Vladimir Alexandrowitsch Kotelnikov

6.9.1908 Geboren in Kasan, Rußland.
1926-31 Studium der Radiotechnik am Moskauer Energetischen Institut (MEI); 
Promotion in Ingenieurwissenschaften.
1931-41 Ingenieur, Assistent, Laborleiter und Dozent am MEI.
1941-44 Arbeit in Industriebetrieben an der Entwicklung von Fernmeldeapparaturen.
1944-80 Dozent, Professor, Lehrstuhlinhaber am MEI.
1953-87 Stellv. Direktor und ab 1954 Direktor des Instituts tür Radiotechnik und Elektronik
der Russischen Akademie der Wissenschaften (IRE / RAW); seit 1987 Ehrendirektor.
1970-88  Vizepräsident der RAW; seit 1988 Berater des Präsidiums.

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Ehrenpromotionen

1967 Tschechische Technische Hochschule.
1995  St. Petersburger Elektrotechnische Universität.

 
 

Sonstige Ehrungen

Staatspreis der UDSSR (2 x), Leninpreis, Held der Sozialistischen Arbeit (2x), sowie
die Popow-, Lomonosow- und Keldysch-Goldmedaillen.



 
 

Mitgliedschaften

  • Seit 1964 Ehrenmitglied des IEEE auf Lebenszeit.
  • Mitglied folgender Wissenschaftsakademien:
    • seit 1965 Tschechoslowakei/Tschechien;
    • seit 1974 Polen;
    • seit l983 Mongolei;
    • seit 1987 Bulgarien.

    •  

Publikationen

Drei Bücher- und über achtzig wissenschaftliche Beiträge.




Das Abtasttheorem - Kern der digitalen Kommunikationstechnik

Sprache, Musik, Bilder, Fernsehsendungen - alle diese natürlichen Informationen werden zunehmend digital verarbeitet, gespeichert und übertragen. Ein schon klassisches Beispiel ist der Übergang von der "analogen" Schallplatte zur "digitalen" CD. Der überzeugende Gewinn an Störfreiheit und Übertragungstreue beruht darauf, daß das Schallsignal nicht mehr als hochempfindliche Riffelung eine Plattenrille sondern als robuste Zahlenfolge gespeichert wird. Zur Gewinnung dieser Zahlenfolge wird die Größe des Schallsignals in regelmäßigen, sehr kurzen Zeitabständen gemessen. Die so gewonnenen Abtastwerte (bei der CD etwa 44.000 pro Sekunde) werden dann in Form einer gerundeten, binären Zahlenfolge (den "Bits") der CD eingeprägt.

Das Abtasttheorem macht nun die verblüffende Aussage, daß und wie das ursprüngliche Signal aus den Abtastwerten fehlerfrei zurückgewonnen werden kann. (Dazu muß die Anzahl der pro Sekunde entnommenen Abtastwerte mindestens doppelt so groß wie die höchste im analogen Signal vorkommende Frequenz sein).

Das Abtasttheorem wurde in großer Breite erst 1948 von C. E. Shannon, dem Eduard-Rhein-Preisträger von 1991, der Fachöffentlichkeit bekannt gemacht. Doch bezieht sich Shannon selbst auf frühere Veröffentlichungen. Verfolgt man diese Spuren zurück, so steht heute zweifelsfrei fest, daß das Abtasttheorem in Zusammenhang mit Problemen der Kommunikationstechnik zuerst 1933 von dem damals 25jährigen russischen Wissenschaftler Vladimir A. Kotelnikov (* 6. September 1908 in Kasan an der Wolga) mathematisch exakt formuliert und publiziert wurde. Diese Veröffentlichung in einem sowjetischen Konferenzbericht blieb allerdings im Westen bis heute weitgehend unbekannt.

Vladimir A. Kotelnikov wurde aber weltweit im Kreis der Theoretiker der Kommunikationstechnik durch seine Arbeiten über störungsunempfindliche Nachrichtenübertragung von 1947 bekannt. In den 50er und 60er Jahren spielte er dann eine leitende Rolle bei den Kommunikationsaspekten des sowjetischen Satellitenprogramms. Danach beschäftigte er sich mit Problemen der Radio- und Radar-Astronomie.Er gilt heute als Nestor der russischen Kommunikationstechnik.

Die zentrale Bedeutung des Abtasttheorems für die gesamte moderne Kommunikationstechnik gab Anlaß, Herrn Prof. Dr. Vladimir A. Kotelnikov, Mitglied der russischen Akademie der Wissenschaften, den Eduard-Rhein-Grundlagenpreis 1999 zu verleihen.
 

Prof. Dr. Hans Dieter Lüke, RWTH Aachen

 
 
 
 
 
 

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