Home/Kontakt
>> 1. Koblenzer Elternuniversität: Coaching für Eltern und andere Fachleute

1. Koblenzer Elternuniversität
Coaching für Eltern: Ein Forum für Fachleute und Eltern

in Kooperation mit dem Institut an der Ruhr (IR) und dem Koblenzer Institut für Systemische Studien (KISS)
Raum D 239 Dienstag, 27.06.06, 9-18 Uhr Teilnahmegebühr: 15 €

Elterliche Präsenz und gewaltloser Widerstand im Umgang mit Kindern und Jugendlichen

  1. 9 Uhr: Begrüßung Prof. Dr. Reinhard Voß (Koblenz), Institut für Pädagogik
  2. Grußworte
  3. Prof. Dr. Sigrid Tschöpe-Scheffler (Köln):
    "Elternbildungsangebote heute - ein kritischer Überblick"
  4. Diskussion
  5. 10.30-11 Uhr: Kaffeepause
  6. Prof. Dr. Haim Omer (Tel Aviv), Referat 1. Teil:
    "Elterliche Präsenz und gewaltloser Widerstand im Umgang mit Kindern mit aggressiven oder selbst-destruktiven Verhaltensmustern"
  7. Diskussion
  8. 12.30-14 Uhr: Mittagspause
  9. Interview mit Eltern
  10. Prof. Dr. Haim Omer (Tel Aviv), Referat Teil 2:
    "Eine neue Autorität? Versuch eines Vergleiches zwischen traditioneller Autorität und einer Autorität, die auf Präsenz und Gewaltlosigkeit beruht"
  11. Diskussion
  12. 16-16.30 Uhr: Kaffeepause
  13. Live-Supervision mit einem Kollegen
  14. Abschlussdiskussion: Moderation Prof. Dr. Reinhard Voß

Prof. Dr. Haim Omer

Psychologieprofessor aus Tel-Aviv, 1949 in Brasilien als Sohn zweier in Polen geborener Überlebender des Holokausts geboren, wanderte 1967 nach Israel aus, Vater von fünf Kindern.
"Mein Interesse für die Arbeit in Deutschland und mit deutschen Kollegen ist ein wichtiger Anteil meines Versuches, über die negativen Stereotypen und Gefühle, mit denen ich aufgewachsen bin, hinwegzukommen. Das Erlernen der deutschen Sprache (die ich vor 7 Jahren anfing) war und bleibt für mich ein großes geistiges Abenteuer."

Zum Referat:

Eltern und Fachleute sind oft ziemlich hilflos, wenn sie mit gewalttätigen und selbst-destruktiven Verhaltensmustern von Kindern und Jugendlichen konfrontiert sind. Die zwei traditionellen Wege, mit dem Problem umzugehen, können als "der weiche" und "der harte" Weg bezeichnet werden: Der "weiche" Weg basiert auf Dialog, Empathie, Wärme und Übereinkunft, der "harte" Weg auf Konsequenzen, Strafen und (in der Vergangenheit) physischer Gewalt. Beide Wege stoßen auf Schwierigkeiten im Umgang mit diesen Kindern und Jugendlichen. Der "weiche" Weg führt oft zu einer Fortsetzung der Probleme, zu einem kontinuierlichen Frust seitens der Eltern, und manchmal sogar zu dem Gefühl, dass die Kinder oder Jugendlichen diese Situation ausnutzen, um ihre problematischen Muster zu steigern. Der "harte" Weg führt oft zu Eskalation, die sich in einer Steigerung der Gewalttätigkeit offenbart, und zudem dazu, dass nicht nur die Eltern nachgeben (aus Schreck wegen der gesteigerten Gewalt), sondern auch dass das übliche Niveau von Gewalt in der Familie höher wird. Haim Omers Ansatz ist ein Versuch, eine neue Art von elterlicher Autorität zu fördern, die nicht auf Gewalt und Unterdrückung, sondern auf Präsenz und gewaltlosem Widerstand basiert. Der präsente Elternteil ist imstande, persönliche Zugänglichkeit und Nähe zu übermitteln, ohne seine Möglichkeit sich selbst, das Kind und seine Geschwister zu schützen, einzubüßen. Die Art von Widerstand, den die Eltern leisten, ist nicht nur rigoros gewaltlos, sondern auch geeignet, Eskalationsfallen zu meiden. An diesem Tag werden die Grundsätze des Ansatzes präsentiert. Dazu wird eine Live-Supervision mit einem Kollegen und ein Interview mit Eltern stattfinden.

Literatur:

H. Omer/A. v. Schlippe (2002) Autorität ohne Gewalt - Coaching für Eltern von Kindern mit Verhaltensproblemen, Göttingen
H. Omer/A. v. Schlippe (2004) Autorität durch Beziehung - Die Praxis des gewaltlosen Widerstands in der Erziehung, Göttingen

Prof. Dr. Sigrid Tschöpe-Scheffler

Fachhochschule Köln, Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften; Direktorin des Instituts für Kindheit, Jugend und Familie; Leiterin von Forschungsprojekten zur Unterstützung der elterlichen Erziehungskompetenz

Zum Referat:

Familien sind heute mit Herausforderungen konfrontiert, die so vielschichtig und komplex geworden sind, dass sie kaum mehr alleine zu bewältigen sind. Immer mehr Eltern stehen unter einem enormen Erziehungsdruck und suchen nach Unterstützung, um dem Kreislauf von Überforderung, Unsicherheit, Hilflosigkeit zu begegnen. Inzwischen gibt es vielfältige Angebote zur Stärkung der Erziehungskraft in den Familien. Ein unübersichtlicher, teilweise kommerzialisierter Markt der Möglichkeiten verbirgt sich hinter Begriffen wie: Elterntraining, Elternkurs, dialogische Beteiligungsprojekte für Eltern, Erziehungspartnerschaft, Familienprogramm, Eltern-Kind-Programm etc.
Um mehr Klarheit über die unterschiedlichen Menschenbilder, Methoden und Ziele einiger dieser Angebote zu bekommen werden exemplarische Konzepte vorgestellt und kritisch hinterfragt.

Literatur:

S. Tschöpe-Scheffler (2003) Elternkurse auf dem Prüfstand - Wie Erziehung wieder Freude macht, Wiesbaden
S. Tschöpe-Scheffler (2005) Neue Konzepte der Elternbildung - Ein kritischer Überblick, Opladen

Prof. Dr. Reinhard Voß

Lehrer, Diplom-Pädagoge, Familientherapeut, Professor für Allgemeine Didaktik und Schulpädagogik in Koblenz