Neuerscheinung: Subjektive Sicherheit und politische Kultur

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Beitrag von Sandro Corrieri und Charlotte Müller: Sicherheit für Recht und Ordnung? Über die Auswirkungen von Kriminalitätseinstellungen auf das Polizeivertrauen im Freistaat Sachsen

Dieser Sammelband schlägt eine Brücke zwischen der kriminologischen Forschung zu Sicherheitsgefühl bzw. Kriminalitätsfurcht und der politischen Kulturforschung. Die gemeinsame Datengrundlage aller Beiträge bildet die Bevölkerungsbefragung „Sicherheit und Kriminalität in Sachsen“. Im Fokus des Bandes stehen drei zentrale Fragen: Wie lässt sich Kriminalitätsfurcht konzeptionell und empirisch erfassen? Welche Auswirkungen hat sie auf politisch-kulturelle Einstellungen, etwa die Legitimität des politischen Systems und das Vertrauen in dessen zentrale politische Akteure? Und wie prägen solche Unsicherheitsgefühle das politische Verhalten, etwa in der Form von Wahlentscheidungen und politischem Protest? Der Band richtet sich gleichermaßen an Forschende der politischen Wahl- und Einstellungsforschung, der kriminologischen Forschung zum Sicherheitsgefühl sowie angrenzender Fachdisziplinen. Darüber hinaus bietet der Sammelband auch Anknüpfungspunkte für die polizeiliche und zivile Präventionsarbeit.

Zusammenfassung: Unsicherheitsgefühle beeinträchtigen nicht nur das individuelle Wohlbefinden, sondern können auch das Vertrauen in staatliche Institutionen wie die Polizei untergraben. Diese ist jedoch auf die Kooperation der Bevölkerung angewiesen – eine Bereitschaft, die maßgeblich durch eine positive Einstellung zur Polizei gefördert wird. Das Verantwortlichkeitsmodell, die Annahme, dass wahrgenommene Sicherheitsdefizite der Polizei angelastet werden, wurde im deutschsprachigen Raum bislang nur vereinzelt überprüft. Im vorliegenden Beitrag wird daher untersucht, wie sich unterschiedliche Aspekte der personalen und sozialen Kriminalitätseinstellungen auf das Vertrauen in die Polizei und die Zufriedenheit mit ihrer Arbeit auswirken. Sequenzielle Regressionsanalysen zeigen, dass polizeibezogene Einstellungen eher von anderen Faktoren abhängen als von der Einschätzung der subjektiven und öffentlichen Sicherheit. Ebenso wird allerdings deutlich, dass die Zufriedenheit mit der Arbeit der Polizei von anderen Variablen beeinflusst wird als das Vertrauen in sie, das wiederum auf Bundesebene anderen Einflussfaktoren unterliegt als auf Landesebene. Die Ergebnisse sprechen für eine differenziertere Erfassung der subjektiven Sicherheit und der Einstellungen zur Polizei, denn eine vertiefte empirische Auseinandersetzung mit den Ursachen und Folgen von Unsicherheitsgefühlen ist unerlässlich, um populistischen Sicherheitsdiskursen fundiert begegnen zu können.

Link Springer

ISBN978-3-658-49447-6

eBook ISBN 978-3-658-49448-3

Datum der Veröffentlichung