Datengestützte Leseförderung: Bildungsminister Sven Teuber besucht Projekt „Leseband L“ in Bernkastel-Kues

Wie moderne, evidenzbasierte Leseförderung im Schulalltag gelingen kann, zeigte der Schulbesuch des rheinland-pfälzischen Bildungsministers Sven Teuber an der Burg-Landshut-Schule in Bernkastel-Kues. Gemeinsam mit Alexander Raths und Marc von Krosigk von der AURIDIS-Stiftung informierte sich der Minister über das Projekt „Leseband L“, das wissenschaftlich von der Universität Koblenz unter der Leitung von Prof. Dr. Benjamin Uhl und Nik Fislake begleitet wird. Empfangen wurden die Gäste von Schulleiterin Verena Gärtner und den Lehrkräften Christina Bußmer, Daniela Leyendecker und Katharina Meyer-Witzig, die in dem Projekt zu Lesecoaches weitergebildet werden.
Das Projekt „Leseband L“ ist von April 2025 bis Ende 2028 angelegt und setzt auf ein täglich stattfindendes, fest im Stundenplan verankertes Leseband. Dabei arbeitet das Projekt in einem Dreiklang, der auch schwächeren Schüler*innen die Lust am Lesen vermittelt: lautes Vorlesen, appgestütztes Lernen und das freie Auswählen von Büchern aus einer bunten Bücherkiste sorgen für Abwechslung. „Nicht jedes Kind hat Zugang zu Büchern. Es gibt Kinder, die haben kein Buch zu Hause“, so Schulleiterin Verena Gärtner. Insbesondere die Bücherkisten, die eine bewusst zusammengestellte Auswahl an Sach- und literarischen Texten sowie zahlreiche anregende Bilder enthalten, begeistern die Kinder.
Zentrales Element des Projekts ist eine systematische, datengestützte Diagnostik, auf deren Grundlage die Lesekompetenzen der Schüler*innen regelmäßig erfasst, ausgewertet und gezielt gefördert werden. Ziel ist eine passgenaue Unterstützung, die sowohl individuelle Lernstände als auch Entwicklungsverläufe berücksichtigt. Insbesondere im Förderschwerpunkt Lernen ist eine kontinuierliche schulische Leseförderung von zentraler Bedeutung, da außerschulische Unterstützungsstrukturen, zum Beispiel über das Elternhaus, häufig nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen.
Die Bedeutung des Projekts reicht allerdings weit über den Förderschulkontext hinaus. „Ich möchte nicht, dass wir Inseln bauen, sondern dass auch Regelschulen von Förderschulen lernen. Wir müssen auch weiterhin stärkeorientiert arbeiten, dabei helfen Projekte wie ,Leseband L‘. Sie fügen sich perfekt in unsere zahlreichen Maßnahmen im Grundschulbereich zur Leseförderung: eine Stunde mehr Deutsch, tägliche verpflichtende Lesezeiten sowie Programme wie ,Lesen macht stark‘”, so Sven Teuber. Ergebnisse aus Schulleistungsstudien zeigen, dass auch an Regelschulen zunehmend Kinder die Mindeststandards im Lesen nicht erreichen. Derzeit verlässt rund jedes vierte Kind die Grundschule, ohne über ausreichende Lesekompetenzen zu verfügen, um den Anforderungen der Sekundarstufe I gerecht zu werden. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage an Bedeutung, wie Leseförderung in Deutschland wirksam, strukturiert und nachhaltig organisiert werden kann.
Zwar wurden seit dem sogenannten PISA-Schock umfangreiche und kostenintensive Instrumente des Bildungsmonitorings etabliert, doch die erhoffte nachhaltige Verbesserung der Unterrichtsqualität ist bislang nur begrenzt gelungen. Ein zentraler Grund hierfür liegt darin, dass die Ergebnisse groß angelegter Vergleichsstudien im schulischen Alltag häufig nicht systematisch für die Unterrichtsentwicklung genutzt werden.
Hier setzt das Projekt „Leseband L“ an. Es verbindet kontinuierliche Diagnostik mit konkreten Fördermaßnahmen und unterstützt Lehrkräfte dabei, Daten gezielt für die Gestaltung von Unterricht und individueller Förderung einzusetzen. Damit liefert das Projekt wichtige, praxisnahe und wissenschaftlich fundierte Ansätze, um Leseförderung langfristig wirksamer zu gestalten. Erste Ergebnisse zeigen bereits eine positive Wirkung: „Wir sehen eine ganz deutliche Zunahme der Lesekompetenz und können diese bereits jetzt signifikant messen”, bestätigt Prof. Uhl.
Im Austausch mit den engagierten Lehrkräften der Burg-Landshut-Schule wurde deutlich, welchen Mehrwert der Ansatz für die schulische Praxis bietet. Neben der unmittelbaren Förderung der Kinder steht die wissenschaftliche Auswertung der Daten im Fokus, um evidenzbasiert Erkenntnisse für andere Schulen und Schulformen abzuleiten. Ein besonderes Merkmal des Projekts sind die regelmäßig stattfindenden Austauschtreffen zwischen den beteiligten Projektlehrkräften und dem Team des Arbeitsbereichs Sprachbildung der Universität Koblenz, in denen der Projektverlauf reflektiert und datengestützt weiterentwickelt wird.
Der Schulbesuch unterstrich die Bedeutung der Zusammenarbeit von Schule, Wissenschaft, Bildungsadministration und externen Partnern wie der AURIDIS-Stiftung, die das Projekt durch ihre finanzielle Unterstützung in dieser Form ermöglicht. Mit dem „Leseband L“ entsteht somit ein Modell, das zeigt, wie evidenzbasierte Schulentwicklung konkret umgesetzt werden kann – mit dem Ziel, Lesekompetenz nachhaltig zu stärken und Bildungschancen langfristig zu verbessern.




