Neue Ansätze in der Inklusionsforschung

Prof. Dr. Ina Kerner von der Universität Koblenz hielt die Keynote zum Thema "Spuren der Kolonialität. Machtvolle Differenzen und die Inklusionsprobleme der Gegenwart." Bild: Universität Koblenz / Chayenne Israel
Prof. Dr. Ina Kerner von der Universität Koblenz hielt die Keynote zum Thema "Spuren der Kolonialität. Machtvolle Differenzen und die Inklusionsprobleme der Gegenwart." Bild: Universität Koblenz / Chayenne Israel
Über 50 Wissenschaftler*innen haben sich an der Universität Koblenz zur 9. Tagung der Arbeitsgruppe Inklusionsforschung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungs-wissenschaft (DGfE) getroffen. Die Tagung zeigte unter dem Titel „Desiderate der Inklusionsforschung“, dass die Community der Inklusionsforscher*innen nicht nur Forschungslücken innerhalb der bekannten Linien und Paradigmen benennt, sondern auf veränderte Verhältnisse auch damit antwortet, neue Forschungsparadigmen zu konturieren und strukturell anders gedachte Fragestellungen zu formulieren.

Ausgerichtet wurde die Tagung von Dr. Sina Isabel Freund und Prof. Dr. Mai-Anh Boger aus dem Arbeitsbereich Allgemeine Sonderpädagogik unter Berücksichtigung inklusiver Bildungsprozesse des Instituts für Förderpädagogik der Universität Koblenz.

Im Sinne eines Zwischenfazits rekapitulierten die Teilnehmer*innen, wie Inklusion in dem jeweiligen Forschungsfeld bisher gedacht wurde und wie man sie weiter:denken sollte: Denn traditionell fördert die Tagung der Arbeitsgruppe Inklusionsforschung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE) mit offenen Formaten und Forschungswerkstätten einen interdisziplinären Austausch zwischen verschiedensten erziehungswissenschaftlichen Forschungsfeldern. Schließlich ist Inklusion in allen pädagogischen Arbeitsfeldern eine relevante Querschnittsaufgabe. Von Forschungen zu Kindertagesstätten über Schulentwicklung bis hin zu inklusiver Erwachsenenbildung waren die unterschiedlichsten Praxisfelder ebenso vertreten wie gesellschaftstheoretische Beiträge zu veränderten Verhältnissen und Bedingungen pädagogischen Arbeitens. 

Untersucht wurde in diesem interdisziplinären Dialog, wie Inklusion als Paradigma, als Forschungstrend, als rege debattierte politische Formel, als theoretische Perspektive, als methodischer Anspruch, als wissenschaftlicher Fachbegriff oder aber auch als Floskel in den erziehungs- und bildungswissenschaftlichen Forschungen der vergangenen Jahre aufgenommen wurde. Die Expert*innen diskutierten, was in dem jeweiligen Forschungsfeld erforscht wurde, wo noch Forschungslücken bestehen und welche Gründe dies hat. Die Wissenschaftler*innen beleuchteten auch, wie gesellschaftliche Veränderungen und Krisen – ökologische Fragen, Krisen der Demokratie, Rechtsruck oder Krieg – die Inklusionsforschung beeinflussen. Und ob die Inklusionsforschung entsprechend modifiziert und erweitert werden sollte.

Als unstrittig gilt den Tagungsteilnehmer*innen: Auf die veränderten gesellschaftlichen Verhältnisse müsse mit neuen Theorien und Forschungen geantwortet werden, die diesen Herausforderungen gerecht zu werden versuchen.

Datum der Veröffentlichung
Fachliche Ansprechpartnerin Dr. Sina Isabel Freund
Universität Koblenz Universitätsstraße 1 56070 Koblenz
sfreund@uni-koblenz.de 0261 287 2076