Podiumsdiskussion zu mehr Attraktivität und Begeisterung in den MINT-Fächern

Die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) gelten unter jungen Menschen noch immer häufig als langweilig, zu anspruchsvoll oder unzugänglich. Dabei sind MINT-Kompetenzen seit jeher eine grundlegende Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, Weiterentwicklung und Problemlösung. Im Zuge aktueller, tiefgreifender Transformationsprozesse sind sie daher hochrelevant. Vor dem Hintergrund dieses Spannungsfeldes widmete sich die Podiumsdiskussion „MINT begeistert?! Didaktische Perspektiven aus Theorie und Praxis“ am 21. Januar an der Universität Koblenz der Frage, wie Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene stärker für MINT-Themen begeistert werden können.
Die öffentliche Veranstaltung brachte mit Ralf Heuft (Schulleitung Realschule plus und Fachoberschule Untermosel sowie Lehrkraft für Chemie und Physik), Prof. Dr. Nadine Dittert, (Stiftungsprofessur der Carl-Zeiss-Stiftung für Informatik und ihre Didaktik und Stellvertretende geschäftsführende Leitung des Zentrums für Lehrkräftebildung (ZfL)), Dr. Larissa Hahn (Vertretung der Professur für Didaktik der Physik und Techniklehre) sowie Prof. Dr. Martin Bracke (Professur für Didaktik der Mathematik an Sekundarstufen) Expert*innen aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen sowie aus der Schulpraxis zusammen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Stefan Müller (Professur für Didaktik der Chemie). Die Beteiligten beleuchteten Ursachen für die anhaltenden Motivations- und Interessensprobleme in den MINT-Fächern und diskutierten mögliche Lösungsansätze. Dabei standen nicht nur fachliche Aspekte im Mittelpunkt, sondern auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen wie bestehende Geschlechter- und Rollenstereotype sowie etablierte Bildungsstrukturen.
Prof. Dr. Claudia Quaiser-Pohl, Vizepräsidentin für Forschung und Transfer der Universität Koblenz, unterstrich in ihrem Grußwort die besondere Relevanz des Themas für die Universität: „Es ist wichtig für die Lehrkräftebildung, zentral mit Blick auf die künftigen Studierendenzahlen und zugleich von großer gesellschaftlicher Bedeutung.“ Als wissenschaftliche Leiterin des Ada-Lovelace-Projekts verwies sie zudem auf den engen Bezug zur Projektarbeit, die gezielt Mädchen und junge Frauen für MINT-Fächer begeistert. Mit der Projektverantwortung für die Universität Koblenz bei Prof. Dr. Dittert, floss dieser Aspekt auch inhaltlich in die Veranstaltung ein. Die Podiumsgäste diskutierten aus unterschiedlichen Perspektiven über didaktische Zugänge, schulische Rahmenbedingungen und gaben Einblicke in persönliche Erfahrungen. Gemeinsam gingen sie unter anderem der Frage nach, warum die Begeisterung für MINT-Fächer sich so schwer zu entfalten scheint und wie dieser Entwicklung entgegengesteuert werden könnte.
Zentrale Fragen, die bei der Podiumsdiskussion diskutiert wurden, waren unter anderen: Warum halten sich stereotype Bilder von MINT-Fächern und -Berufen so hartnäckig? Welche didaktischen Ansätze können Interesse wecken und nachhaltige Motivation fördern? Wie lassen sich fachliche Tiefe und ein niedrigschwelliger Zugang sinnvoll verbinden? Welche Rolle spielen Schule, Lehrkräftebildung und Hochschulen bei der Gestaltung zukunftsfähiger MINT-Bildung?
Die Veranstaltung machte deutlich, dass MINT-Bildung heute mehr leisten muss als reine Wissensvermittlung. Vielmehr geht es darum, Vielfalt zu fördern, Zugangsbarrieren abzubauen und junge Menschen zu befähigen, technologische und naturwissenschaftliche Entwicklungen kritisch, reflektiert und gestaltend zu begleiten. In diesem Zusammenhang wurden insbesondere projektorientierte und interdisziplinäre Lernansätze diskutiert, die sich an der realen Lebenswelt von Schüler*innen ausrichten. So solle es aus Sicht der Fachdidaktiker*innen vielmehr darum gehen, MINT-Fächer zu entdecken, statt diese bewältigen zu müssen. Ein Ansatz, der auch seitens des Schulvertreters befürwortet wurde und damit wiederum einen relevanten Baustein in der Lehrkräftebildung darstelle, wenngleich starre Strukturen wie auch gesellschaftliche und soziale Randbedingungen limitierend wirken würden.
Das interessierte Publikum, bestehend aus Wissenschaftler*innen, Studierenden sowie Lehrkräften, beteiligte sich mit Fragen an der aufschlussreichen Diskussion. Der Austausch verdeutlichte den hohen Bedarf an evidenzbasierten, praxisnahen Lösungen und einer stärkeren interdisziplinären Vernetzung sowie der erlebbaren Verzahnung von Theorie und Praxis. So wurde beispielsweise die gezielte Beteiligung externer Praktiker*innen angesprochen, um MINT-Berufsfelder greifbarer zu machen. Nicht zuletzt wurde betont, dass unter den im MINT-Bereich tätigen Beteiligten ein großes Interesse daran besteht, die eigene Begeisterung weiterzutragen. So richtete Schulleiter Ralf Heuft vor allem an die in MINT-Disziplinen tätigen oder studierenden Podiumsgäste abschließend den Appell „Brennen Sie für Ihren Beruf, seien Sie mutig – nicht defizitorientiert.“
Die Veranstaltung gab somit Impulse für die Weiterentwicklung der MINT-Bildung und der MINT-Lehrkräftebildung und förderte den Dialog zwischen Forschung, Schule und Öffentlichkeit. Die Podiumsdiskussion machte deutlich, dass die Begeisterung für MINT-Fächer kein Selbstläufer ist – aber durch innovative Didaktik, reflektierte Lehrkräftebildung und interdisziplinäre Zusammenarbeit gezielt gefördert werden kann.
Das anschließende informelle Zusammenkommen bot allen Teilnehmenden Raum für weiterführende Gespräche und interdisziplinären Austausch. Ermöglicht wurde die Veranstaltung im Rahmen des Förderprojekts CZS MINT-Forum im Interdisziplinären Forschungs-, Graduiertenförderungs- und Personalentwicklungszentrum der Universität Koblenz (IFGPZ) durch die Unterstützung der Carl-Zeiss-Stiftung.


(In Kooperation mit dem CZS Mint-Forum.)





