Sprachforschung traf Künstliche Intelligenz

Im Mittelpunkt der Konferenz standen innovative Ansätze an der Schnittstelle von englischer Korpuslinguistik und Künstlicher Intelligenz. Große Sprachmodelle, die heute unter anderem Chatbots, Übersetzungsdienste oder Spracherkennungssysteme antreiben, werden auf riesigen Text- und Sprachdatensammlungen – sogenannten Korpora – trainiert. Solche Korpora, wie sie seit Jahrzehnten in der Korpuslinguistik entwickelt und analysiert werden, bilden eine Grundlage moderner KI-Anwendungen und eröffnen zugleich neue Perspektiven für die linguistische Forschung.
Die traditionsreiche Fachkonferenz zählt zu den wichtigsten internationalen Veranstaltungen im Bereich der englischen Korpuslinguistik. Das wissenschaftliche Programm umfasste vier Plenarvorträge renommierter internationaler Forschender, fünf fachspezifische Workshops sowie rund 150 peer-reviewte wissenschaftliche Vorträge, Poster-Präsentationen und Software-Demonstrationen. Thematisch reichte das Spektrum von Korpus- und Computerlinguistik über Natural Language Processing und Data Science bis hin zu historischer Linguistik, Soziolinguistik und Zweitspracherwerb – stets im Kontext aktueller Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Zu den Forschungs- und Themenschwerpunkten zählten unter anderem die Analyse der Sprache großer Sprachmodelle (LLMs), die Identifikation und Analyse sprachlicher Merkmale KI-generierter Texte im Vergleich zu menschlichen Texten, die Untersuchung von KI-generierter Desinformation und Fake News in sozialen Medien sowie deren automatisierte Erkennung und Nachverfolgung. Weitere Beiträge befassten sich mit dem Einsatz von KI-Verfahren zur Aufbereitung und Analyse historischer Sprachdaten. Diese Beispiele stehen stellvertretend für die große thematische Bandbreite der auf der Konferenz präsentierten Forschungsarbeiten.
Zu den Plenarsprecher*innen gehörten Laurence Anthony von der japanischen Waseda-Universität in Tokio, Jonathan Culpeper von der englischen Universität Lancaster, Jane Stuart-Smith von der schottischen Universität Glasgow und Natalia Levshina von der Radboud Universität in niederländischen Nijmegen. In ihren Vorträgen beleuchteten sie aktuelle Entwicklungen in der Korpuslinguistik und KI-Forschung sowie die zunehmende Verzahnung beider Forschungsfelder. Der Preis für die beste Posterpräsentation von Nachwuchswissenschaftler*innen ging an Xingni Li von der Universität Oxford, der Preis für die beste Vortragspräsentation wurde an Cheryl Yeo von der Ludwig-Maximilians-Universität München verliehen.
Neben dem wissenschaftlichen Programm bot die Konferenz zahlreiche Möglichkeiten zum internationalen Austausch. Das Rahmenprogramm führte die Teilnehmenden unter anderem auf die Festung Ehrenbreitstein, zu einer Schifffahrt durch das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal sowie zu einem festlichen Konferenzdinner in der Koblenzer Altstadt. Die durchweg positive Resonanz der Teilnehmenden unterstrich sowohl die wissenschaftliche Qualität der Veranstaltung als auch die Attraktivität des Tagungsstandortes Koblenz.
„Die ICAME47 hat eindrucksvoll gezeigt, wie eng Korpuslinguistik, digitale Sprachforschung und Künstliche Intelligenz heute miteinander verbunden sind. Gleichzeitig bot die Konferenz eine hervorragende Gelegenheit, internationale Forschungsnetzwerke zu stärken und die Universität Koblenz als Standort innovativer sprachwissenschaftlicher Forschung sichtbar zu machen“, resümiert Juniorprofessor Dr. Andreas Weilinghoff, Leiter des internationalen Organisationsteams an der Universität Koblenz.
Die Konferenz wurde von einem interdisziplinären Team des Instituts für Anglistik und Amerikanistik der Universität Koblenz organisiert. Mit der erfolgreichen Ausrichtung der ICAME47 knüpft die Universität Koblenz an die lange Tradition der seit 1977 bestehenden internationalen Konferenzreihe an und stärkt zugleich ihre internationale Sichtbarkeit im Bereich der digitalen Sprachforschung. Die vorherigen Konferenzen fanden im spanischen Vigo und im litauischen Vilnius statt. Die nächste Ausgabe der Konferenzreihe, ICAME48, wird vom 18. bis 22. Mai 2027 in Helsinki, Finnland, ausgerichtet.




