Studentische Vertretungskräfte im Fokus: Projekt PES+PLUS zieht Bilanz und eröffnet Perspektiven

Projektleiterin Dr. Lina Pilypaitytė unterstrich die Bedeutung und die Herausforderungen studentischer Vertretungstätigkeiten für die Lehrkräftebildung. Foto: Christoph Asche
Projektleiterin Dr. Lina Pilypaitytė unterstrich die Bedeutung und die Herausforderungen studentischer Vertretungstätigkeiten für die Lehrkräftebildung. Foto: Christoph Asche
Mit einer Abschlusstagung hat das Projekt PES+PLUS zur Begleitung von Studierenden mit Vertretungstätigkeiten an Schulen seine zweijährige Laufzeit erfolgreich abgeschlossen. Rund 100 Personen aus mehr als 25 Orten und 37 Institutionen nahmen am Bilanz- und Perspektiventag des Zentrums für Lehrkräftebildung (ZfL) der Universität Koblenz teil.

Im Mittelpunkt der Tagung stand ein Thema, das in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat: Lehramtsstudierende, die bereits während ihres Studiums als Vertretungskräfte an Schulen tätig sind. Schulen greifen angesichts des Lehrkräftemangels auch in Rheinland-Pfalz immer häufiger auf diese Möglichkeit zurück und während dies vielen Studierenden wertvolle Praxiserfahrungen eröffnet, bewegen sie sich dabei gleichzeitig häufig in einem unbegleiteten Raum zwischen Studium und Schulpraxis, in dem Reflexionsräume und klare Unterstützungsstrukturen fehlen.

Genau hier hat das Projekt „PES+PLUS - Praxis-Erfahrungen studentischer (PES-)Lehrkräfte unterstützen und ins Studium integrieren“ angesetzt, das von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre gefördert wurde: Von April 2024 bis März 2026 entwickelte das Projektteam am ZfL Informations-, Beratungs- und Begleitangebote für Studierende, die während ihres Studiums Vertretungsunterricht übernehmen. Ziel war es, ihre Erfahrungen sichtbar zu machen, zu reflektieren und stärker in die Lehrkräftebildung einzubinden.

„Studierende leisten mit ihrer Tätigkeit einen wichtigen Beitrag zum Funktionieren vieler Schulen“, betonte Prof. Dr. Anja Schiepe-Tiska, Leiterin des Zentrums für Lehrkräftebildung, in ihrer Begrüßung. „Gleichzeitig stellt sich jedoch die Frage, wie diese frühen Praxiserfahrungen so begleitet werden können, dass sie zur Professionalisierung beitragen und Bildungsqualität auf allen Seiten gewährleistet werden kann.“

Austausch zwischen Bildungsakteur*innen

Die Abschlusstagung brachte Vertreter*innen aus Zentren für Lehrkräftebildung, Schulen, Studienseminaren, Bildungsverwaltung und Forschung zusammen. Ziel war es, die Situation studentischer Vertretungskräfte aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten und gemeinsam über zukünftige Entwicklungen in der Lehrkräftebildung nachzudenken.

In drei Impulsvorträgen wurden aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und Projektergebnisse vorgestellt. Dr. Florian Hesse (TU Dresden und Universität Jena) gab einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu studentischen Vertretungslehrkräften im deutschsprachigen Raum, Prof. Dr. Wiebke Lohfeld (Universität Koblenz) diskutierte aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive grundlegende Fragen der Professionalisierung im Lehramt und das Verhältnis von Theorie und Praxis im Studium und das Team des Projekts PES+PLUS (Ricarda Diedrichs, Dr. Dana Engel und Dr. Hannah Rosenberg) präsentierte außerdem vertiefende Ergebnisse der projektbegleitenden Forschung zu den Perspektiven von Studierenden und Buddy-Lehrkräften.

Die Ergebnisse der Begleitforschung zeigen unter anderem, dass viele Studierende ihre Tätigkeit an Schulen als wichtige und prägende Praxiserfahrung erleben. Dennoch wird deutlich, dass die Tätigkeit häufig mit Unsicherheiten und Unterstützungsbedarf verbunden ist. In den Beiträgen wurde daher mehrfach betont, dass studentische Vertretungstätigkeiten gewissermaßen als „Brennglas“ für strukturelle Herausforderungen der Lehrkräftebildung wirken können und systemisch weitergedacht werden sollten.

Neue Unterstützungsangebote für Studierende

Im Rahmen der Tagung wurden ebenfalls jene Maßnahmen vorgestellt, die im Verlauf des Projekts PES+PLUS am ZfL der Universität Koblenz entwickelt und erprobt wurden und mit denen Studierende bei der Übernahme von Verantwortung an Schulen unterstützen sollen. Dazu gehören unter anderem Informations- und Beratungsangebote, ein Mentoring-Programm an der Universität und ein Buddy-System an Kooperationsschulen, Workshops und Austauschformate zur Reflexion schulischer Erfahrungen, eine Materialsammlung und Checklisten für das Onboarding von Studierenden an Schulen. Darüber hinaus wurde ein regelmäßig tagender Runder Tisch mit Vertreter*innen aus Hochschule, Schulen und Bildungsverwaltung etabliert, um das Thema gemeinsam weiterzuentwickeln.

Perspektiven für die Lehrkräftebildung

Ein weiterer Höhepunkt der Tagung war eine Fachdiskussion, moderiert von André Brandhorst (Universität Bielefeld). Vertreter*innen aus Forschung, Schule, Studium und Studienseminar diskutierten gemeinsam über Chancen, Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen im Umgang mit studentischen Vertretungskräften. Dabei wurde deutlich, dass die Thematik von vielen Seiten als ambivalent und zugleich hoch relevant wahrgenommen wird: Einerseits ermöglichen die Tätigkeiten frühe Praxiserfahrungen und Einblicke in den Schulalltag. Andererseits stellen sie Studierende oft vor große Herausforderungen, wenn Begleitung und Reflexion fehlen.

Ein zentrales Fazit der Tagung und zugleich des gesamten Projekts lautet daher: Professionelle Begleitung und eine enge Zusammenarbeit zwischen Universität, Schulen und weiteren Akteur*innen sind entscheidend, damit Praxiserfahrungen während des Studiums zur Professionalisierung angehender Lehrkräfte beitragen können.

„Nach zwei Jahren intensiver Projektarbeit blicken wir auf viele Erfahrungen, Gespräche und neue Kooperationen zurück“, resümiert Projektleiterin Dr. Lina Pilypaitytė. „Die Diskussionen sowohl im Projekt als auch auf der Tagung haben deutlich gezeigt, dass studentische Vertretungstätigkeiten ein wichtiges Thema für die Lehrkräftebildung sind und dass es sich lohnt, gemeinsam weiter daran zu arbeiten, diese Praxiserfahrungen sinnvoll zu begleiten und in allen Phasen im Sinne einer gelingenden Professionalisierung einzubinden.“

Die im Projekt entwickelten Angebote werden daher auch über die Projektlaufzeit hinaus weitergeführt und in die Strukturen des Zentrums für Lehrkräftebildung integriert.

Etwa 100 Personen nahmen am Bilanz- und Perspektiventag teil. Foto: Christoph Asche
„Studierende leisten mit ihrer Tätigkeit einen wichtigen Beitrag zum Funktionieren vieler Schulen“, betonte Prof. Dr. Anja Schiepe-Tiska, Leiterin des Zentrums für Lehrkräftebildung, in ihrer Begrüßung. Foto: Christoph Asche
Foto: Christoph Asche
Foto: Christoph Asche

Datum der Veröffentlichung
Fachliche AnsprechpartnerinDr. Lina Pilypaitytė
Zentrum für Lehrkräftebildung (ZfL) Universität Koblenz Universitätsstraße 1 56070 Koblenz
pilypaityte@uni-koblenz.de0261 287-2908