Wer gehört dazu? Digitaler Kurs zu Kulturarbeit im ländlichen Raum veröffentlicht

Wie ermöglicht man mehr kulturelle Teilhabe für mehr Menschen? Forschungswerkstatt des Kurses „Vielfalt. Kultur. Land.“. Foto: Micha Kranixfeld
Wie ermöglicht man mehr kulturelle Teilhabe für mehr Menschen? Forschungswerkstatt des Kurses „Vielfalt. Kultur. Land.“. Foto: Micha Kranixfeld
Wie können Kulturvereine, Initiativen und Kommunen in ländlichen Räumen Menschen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten besser erreichen und beteiligen? Mit dieser Frage beschäftigt sich der neue digitale Reflexionskurs „Vielfalt. Kultur. Land.“, den Forschende der Universität Koblenz (Arbeitsbereich Migration und Heterogenität) veröffentlicht haben.

Der kostenfrei zugängliche Reflexionskurs richtet sich an Kulturakteur*innen, Vereine, Ehrenamtliche, Verwaltungen und weitere Engagierte, die ihre Arbeit diversitätssensibel weiterentwickeln möchten. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, wie Mitbestimmung für alle ermöglicht werden kann, wie Hürden erkannt und abgebaut sowie neue Aktive gewonnen werden können.

Die Inhalte widmen sich insbesondere den Themen Rassismus, Adultismus und Ableismus. Der Kurs lädt dazu ein darüber nachzudenken, wie kulturelle Teilhabe für mehr Menschen ermöglicht werden kann und wie Ausschlüsse erkannt und abgebaut werden können. So kann die eigene Praxis reflektiert und weiterentwickelt werden.

Forschungsteam wertete 32 Interviews und 600 Fotos aus

Grundlage des Kurses sind die Ergebnisse eines mehrjährigen Forschungsprojekts, in dem das Team um Prof. Dr. Wiebke Waburg, Micha Kranixfeld und Sarah Weißenfels gemeinsam mit Kulturakteur*innen aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm, dem Landkreis Osnabrück und dem Landkreis Ludwigslust-Parchim arbeitete. Das Team wertete insgesamt 32 Interviews und mehr als 600 gesammelte Fotografien aus. Die Bilder zeigen die Vielfalt kultureller Aktivitäten in ländlichen Räumen – von Dorffesten und Chorkonzerten über Kunstprojekte bis hin zu neuen Formen kultureller Begegnung.

„Ländliche Räume sind vielfältiger, als sie häufig dargestellt werden. Gleichzeitig haben unsere Analysen gezeigt, dass bestimmte Gruppen in Bildern und kulturellen Zusammenhängen noch immer weniger sichtbar sind als andere. Der Reflexionskurs möchte dazu anregen, diese Muster wahrzunehmen und neue Wege für mehr Teilhabe zu entwickeln“, erläutert Projektleiterin Waburg.

Wichtige Reflexion über Teilhabe, Sichtbarkeit und Zugehörigkeit

Die Analyse der Fotografien machte deutlich, dass Menschen mit Migrationsgeschichte häufig vor allem in besonderen Formaten sichtbar werden, die kulturelle Unterschiede thematisieren. Junge Menschen erscheinen oftmals als Teilnehmende oder „Nachwuchs“, erhalten aber vergleichsweise wenig Raum für eigene Entscheidungen und selbstorganisierte Projekte. Menschen mit Behinderungen waren auf den untersuchten Fotografien nur selten sichtbar, wodurch Fragen nach Barrierefreiheit und inklusiver Teilhabe deutlich wurden.

„Die Bilder dokumentieren nicht nur kulturelle Aktivitäten, sondern vermitteln auch Vorstellungen darüber, wer dazugehört und wer im Mittelpunkt steht. Gerade deshalb können sie wertvolle Anstöße geben, um über Teilhabe, Sichtbarkeit und Zugehörigkeit nachzudenken“, erklärt Kranixfeld.

Überregionaler Austausch mit Kulturakteur*innen

Von Beginn an setzte das Projekt auf einen engen Austausch mit der Praxis. Neben Interviews und regionalen Forschungswerkstätten fanden überregionale Austauschtreffen statt, bei denen Kulturakteur*innen ihre Erfahrungen und Perspektiven einbringen konnten. Die Erkenntnisse aus diesen Begegnungen flossen direkt in die Entwicklung des Reflexionskurses ein.

„Besonders beeindruckt hat mich die Offenheit vieler Kulturakteur*innen, sich mit Fragen von Vielfalt und Teilhabe auseinanderzusetzen“, berichtet Weißenfels. „Der Kurs soll dazu ermutigen, bestehende Strukturen aus neuen Perspektiven zu betrachten und gleichzeitig konkrete Ideen für eine noch inklusivere Kulturarbeit vor Ort zu entwickeln.“

Der Kurs verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit praxisnahen Reflexionsimpulsen, Beispielen aus der Kulturarbeit und Anregungen für die Weiterentwicklung eigener Angebote. Ziel ist es, Kulturakteur*innen dabei zu unterstützen, kulturelle Räume zu schaffen, in denen unterschiedliche Erfahrungen, Perspektiven und Lebensweisen Platz finden.

Der digitale Reflexionskurs „Vielfalt. Kultur. Land.“ ist ab sofort kostenfrei unter vielfalt-kultur-land.de verfügbar.

Er entstand im Rahmen des Forschungsprojekts „Bilder ländlicher Diversität in von Kulturschaffenden, Kultureinrichtungen und weiteren kulturellen Akteur*innen erstellten Fotografien und Dokumenten“, das durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) im Förderprogramm „Faktor K – Forschung zum Faktor Kultur in ländlichen Räumen“ für 38 Monate gefördert wurde.

Datum der Veröffentlichung
Fachliche AnsprechpartnerinProf. Dr. Wiebke Waburg
Universität Koblenz Institut für Pädagogik Arbeitsbereich Migration und Heterogenität
waburg@uni-koblenz.de0261 287-1856
PressekontaktChristoph Asche
Universität Koblenz Referent Kommunikation Universitätsstraße 1 56070 Koblenz
christophasche@uni-koblenz.de0261 287-1624