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Dario Lehmler
Lehrveranstaltungen
A priori
Ich bemühe mich in meinen Lehrveranstaltungen um eine möglichst genderneutrale und -gerechte Sprache, was mir im Eifer des Gefechts nicht immer gelingen wird. Grundsätzlich werden auf den Folien, in meinen Texten und verbalen Beiträgen alle Geschlechter und Geschlechtsidentitäten mitgemeint. Sollte ich Sie einmal falsch pronominieren, korrigieren Sie mich einfach umgehend und freundlich. Das wünsche ich mir im Übrigen für den generellen Umgang miteinander, besonders auch in meinen Veranstaltungen, denn ich halte es für einen demokratisch-freiheitlichen Minimalkonsens, dass persönliche Identität zu respektieren ist, solange sie die der Anderen nicht gefährdet oder infrage stellt.
Sommersemester 2026
Modul 2: Grundlagen der Literaturwissenschaft (Seminar)
Das Seminar führt in die Grundlagen der Literaturwissenschaft ein. Es werden u.a. die Themenkomplexe Gattungen, Literaturgeschichte, Literaturtheorie, Kanon und literarische Wertung besprochen. Neben der begleitenden Lektüre von Stefan Neuhaus: Grundriss der Literaturwissenschaft. 5. Auflage. Tübingen u. Basel: Francke 2017 (UTB 2477). ist die Rezeption folgender Texte obligatorisch (sofern vorhanden, bitte Ausgaben des Reclam-Verlags verwenden):
Luise Adelgunde Victorie Gottsched: Die Pietistery im Fischbein-Rocke;
Friedrich Schiller: Die Räuber;
Johann Wolfgang von Goethe: Faust I;
Novalis: Heinrich von Ofterdingen;
Thomas Mann: Buddenbrooks;
Friedrich Dürrenmatt: Der Verdacht;
Elfriede Jelinek: Die Schutzbefohlenen.
Weitere Texte und Gedichte werden im Verlauf der Veranstaltung genannt. Obligatorisch für die Teilnahme ist der Besuch der Vorlesung in M1, die Voraussetzungen für den erfolgreichen Abschluss des Seminars werden in der ersten Sitzung bekanntgegeben.
Modul 5: Lyrische Texte in literaturwissenschaftlicher und -didaktischer Perspektive (Seminar - SoSe 26)
„In der Tat, mit Gedichten ist es eigenartig. Kinder haben eine unmittelbare Freude an Klang und Rhythmus, […] Jugendliche schreiben die Songtexte ihrer Lieblingsgruppen ab und können ganze Lieder mitsingen. Heine, Rilke oder Celan aber gehören für die allerwenigsten zur Privatlektüre. Vieles, was die Schule an Gedichten für Jugendliche bereithält, und besonders die Prozedur der Gedichtinterpretation, hinterlässt häufig zwiespältige Erinnerungen.“ Die Worte, mit denen Martin Leubner, Anja Saupe und Matthias Richter in den Lyrik-Teil ihres Bandes ‚Literaturdidaktik‘ (2016, hier S. 102) einführen, dürften vielen SchülerInnen wie Studierenden aus dem Herzen sprechen. Die AutorInnen weisen auf das paradoxe Verhältnis hin, in dem der Literaturunterricht zu dieser Gattung steht: Auf der einen Seite gehören Gedichte, nicht nur auf Grund ihrer verglichen mit Prosa- oder Dramentexten relativen Kürze, zu den am häufigsten eingesetzten Texten in der Schule, auf der anderen Seite sind gerade mit der manchmal eher nach dem Zufallsprinzip ablaufenden Suche nach Metren, dem detektivischen Aufspüren von Stilmitteln sowie dem oft holzschnittartigen Schreiben von Interpretationen beliebte Vorwürfe und schlechte Erinnerungen an den Deutschunterricht verbunden.
Wir wollen uns verschiedenen lyrischen Texten aus einer literaturwissenschaftlichen und -didaktischen Perspektive nähern und hierbei wichtige Aspekte dieser Gattung und ihrer literaturhistorischen Entwicklung in exemplarischen Analysen zur Sprache bringen, um diese Texte im nächsten Schritt immer wieder hinsichtlich ihrer Potentiale für einen Einsatz an unterschiedlichen Schulformen zu befragen. Hierzu werden wir uns verschiedene Gruppen lyrischer Texte von der Naturlyrik über die politische Dichtung bis hin zur Kinderlyrik anschauen und immer wieder versuchen zu zeigen, dass die oben skizzierten Abläufe auf Fehlvorstellungen zurückzuführen sind, denn gerade die Arbeit mit Gedichten im Literaturunterricht ist eben kein Ratespiel und kein Nachlaufen immergleicher Pfade, sondern eine intensive ästhetische Erfahrung, in der sich zentrale Merkmale der Literatur wie Polyvalenz, Überstrukturiertheit oder Autoreflexivität erfahrbar und verständlich machen lassen.
Darüber hinaus werden wir in einigen Sitzungen ein kleines Experiment in Richtung ‚Digital-Detox‘ machen: Der partielle Verzicht auf digitale Endgeräte soll uns hierbei wieder auf die Spur jener ästhetischen Erfahrung und produktiven Arbeit an den Texten führen, die untrennbar zur Literatur als individueller, sozialer und kultureller Praxis gehört. Wenn Sie sich also vor Papier, Stift, lautem Vorlesen und aktivem Hinhören fürchten, sehen Sie von einer Anmeldung auf einen Seminarplatz gerne ab. Gegen Ende des Semesters besteht die Möglichkeit, die Textauswahl durch eigenen Input in Form von kleineren Projektarbeiten in Vorbereitung der Hausarbeit (siehe unten) mitzugestalten.
Die erfolgreiche Teilnahme am Seminar setzt die Bereitschaft zur produktiven Mitarbeit im Seminargeschehen sowohl in Kleingruppen als auch im Plenum sowie die selbstständige und vorbereitende Lektüre von Primär- und Sekundärliteratur voraus. Ausgewählte Forschungsliteratur wird im Laufe des Semesters bekanntgegeben und über OLAT zur Verfügung gestellt; es empfiehlt sich dringend, sich den ‚Echtermeyer‘ anzuschaffen. Alle Gedichte, die dort nicht zu finden sind, werden bereitgestellt. Ferner werden selbstverständlich Grundkenntnisse aus Modul 1 und 2 vorausgesetzt. Die Modulabschlussprüfung legen Sie in Form einer Hausarbeit ab. Nähere Informationen zum Modulabschluss, zu den Anforderungen an die Hausarbeit und zur Organisation des Seminars erhalten Sie in den ersten Sitzungen.
Empfohlene Literatur:
Grimm, Gunter E. (Hg.): Politische Lyrik. Deutsche Zeitgedichte von der Französischen Revolution bis zur Wiedervereinigung. Ditzingen: Philipp Reclam 2015. ISBN: 978-3-15-015061-0.
Paefgen, Elisabeth K./Geist, Peter (Hg.): Echtermeyer. Deutsche Gedichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 20. Auflage. Berlin: Cornelsen 2010. ISBN: 978-3-06-061932-0.
Lamping, Dieter (Hg.): Handbuch Lyrik. Theorie, Analyse, Geschichte. 2. Auflage. Stuttgart: Metzler 2016.
Zymner, Rüdiger: Lyrik: Umriss und Begriff. Paderborn: Brill 2009.
Leubner, Martin/Saupe, Anja/Richter, Matthias: Literaturdidaktik. 3., überarb. und erg. Auflage. Berlin/Boston: de Gruyter 2016.
Lotman, Jurij M.: Die Struktur literarischer Texte. Übersetzt von Rolf-Dietrich Keil. München: Wilhelm Fink 1972.
Wintersemester 2025/26
Modul 2: Grundlagen der Literaturwissenschaft (Seminar)
Das Seminar führt in die Grundlagen der Literaturwissenschaft ein. Es werden u.a. die Themenkomplexe Gattungen, Literaturgeschichte, Literaturtheorie, Kanon und literarische Wertung besprochen. Neben der begleitenden Lektüre von Stefan Neuhaus: Grundriss der Literaturwissenschaft. 5. Auflage. Tübingen u. Basel: Francke 2017 (UTB 2477) ist die Rezeption folgender Texte obligatorisch:
Luise Adelgunde Victorie Gottsched: Die Pietisterey im Fischbein-Rocke
Friedrich Schiller: Die Räuber
Johann Wolfgang von Goethe: Faust I
Novalis: Heinrich von Ofterdingen
Thomas Mann: Buddenbrooks
Friedrich Dürrenmatt: Der Verdacht
Elfriede Jelinek: Die Schutzbefohlenen
Weitere Texte und Gedichte werden im Verlauf der Veranstaltung genannt. Obligatorisch für die Teilnahme ist der Besuch der Vorlesung in M1, die Voraussetzungen für den erfolgreichen Abschluss des Seminars werden in der ersten Sitzung bekanntgegeben.
Modul 5: Erzählende Texte der Reiseliteratur im Literaturunterricht (Seminar - WiSe 2025/26)
„In ihrem preisgekrönten Klassiker der poetischen Atlanten entführt uns Judith Schalansky zu 55 entlegenen Orten und erzählt absurd-abgründige Geschichten, wie sie nur die Wirklichkeit sich auszudenken vermag“, so heißt es im Paratext zu Schalanskys ‚Atlas der abgelegenen Inseln‘. Ihr Werk kartographiert die Welt auf besondere Weise, denn in einer Mischung aus graphischen Darstellungen und Erzählungen werden die Grenzen zwischen Faktualität und Fiktionalität ausgelotet und damit das Spannungsfeld nachgezeichnet, das von konstitutiver Bedeutung ist für das Schreiben über Reisen. Im Seminar werden wir ausgewählte erzählende Texte betrachten, die sich im engeren Sinne der Reiseliteratur zuordnen lassen. Um dieser Betrachtung Perspektive zu geben, sollen zunächst einige zentrale Merkmale dieser heterogenen Gattung bestimmt und mit grundlegenden methodischen und theoretischen Konzepten der Literaturwissenschaft in Berührung gebracht werden. Während uns Schalanskys ‚Atlas‘ mit abgelegenen Orten bekannt macht, in denen sich globaler Makroraum, spezifischer Mikroraum der Insel sowie historische und textuelle Spuren vermischen, führt uns Christoph Ransmayrs ‚Der fliegende Berg‘ ins tibetische Hochland, das sich in verschiedener Hinsicht als natürlicher und emotionaler Extremraum zeigen wird. Schließlich wird Benji Davies‘ Bilderbuch ‚Opas Insel‘ die Reise als Lebensmetapher thematisieren und in den Kontext von Tod und Trauer stellen. Ergänzt werden die unterschiedlichen methodischen und theoretischen Zugänge zu den Texten immer wieder durch didaktische Perspektiven, aus denen sich Verbindungen zur Literaturdidaktik, zur Kinder- und Jugendliteratur sowie zur Vorlesung ‚Literatur – Lesen – Lernen‘ ergeben können.
Die erfolgreiche Teilnahme am Seminar setzt die Bereitschaft zur produktiven Mitarbeit im Seminargeschehen sowohl in Kleingruppen als auch im Plenum sowie die selbstständige und vorbereitende Lektüre der unten angegebenen Primärtexte voraus. Gleiches gilt für die Forschungsliteratur, die im Laufe des Semesters bekanntgegeben und über OLAT zur Verfügung gestellt wird; die Primärtexte sind bis zur dritten Sitzung selbst zu besorgen. Ferner werden Grundkenntnisse aus Modul 1 und 2 vorausgesetzt. Die Modulabschlussprüfung legen Sie in Form einer Hausarbeit ab. Nähere Informationen zum Modulabschluss, zu den Anforderungen an die Hausarbeit und zur Organisation des Seminars erhalten Sie in den ersten Sitzungen.
Modul 5: Politische Lyrik in didaktischer Perspektive (Seminar - WiSe 2025/26)
"Auf einem Haufen steckt man Bücher an
Die Kunst verlässt das Land
Die Musik entartet, der Rest ist uns bekannt
So hängen wir die Bilder ab, die Boxen bleiben still
Weißes Rauschen, brauner Ton
Aber was ist wenn ich nicht
Was ist wenn ich nicht
Was ist wenn ich nicht mehr will"
An diesem Ausschnitt aus dem Liedtext von ‚Keine Hymnen heute‘ (2017) der Broilers zeigt sich, dass Politik und Kunst keinesfalls nur als Kommentarspuren nebeneinander herlaufen, sondern sich auf verschiedenen Ebenen durchdringen. So bietet sich der Literatur nicht nur die Möglichkeit einer inhaltlichen Thematisierung des politischen Geschehens, vielmehr schafft sie in ihrer literar-ästhetischen Tiefenstruktur einen Resonanzraum für politische Diskurse, an deren Gestaltung sie Teil hat. Da Literatur Ausdruck kritischer Positionen werden kann und in der Tradition der Aufklärung an der Herausbildung gesellschaftlicher und individueller Freiheiten beteiligt ist, reagieren autoritäre Systeme nicht selten mit Zensur und Verboten auf subversive Texte; Ansätze solcher Bestrebungen finden sich auch heutzutage, wie der Blick in die USA belegt, in denen Werke wie George Orwells ‚1984‘ oder ‚Das Tagebuch der Anne Frank‘ teilweise aus dem Schulunterricht entfernt wurden. Im Seminar wollen wir uns mit der Gattung politischer Lyrik beschäftigen, in der diese Verbindungen zwischen Politik und Literatur in besonders dichter Form Ausdruck finden. Hierbei sollen ältere Texte aus der Zeit der Französischen Revolution den Blick öffnen für weitere Entwicklungen der Gattung, die wir über die Exilliteratur und die Wiedervereinigung bis in die Gegenwart nachzeichnen wollen, um schließlich zeitgenössische Liedtexte als Formen vertonter Lyrik im Zusammenhang mit aktuellen Diskursverschiebungen zu diskutieren. Dazu werden wir uns unterschiedlicher theoretischer und methodischer Zugänge etwa aus den Bereichen der Hermeneutik, des Strukturalismus und der Diskursanalyse bedienen, um die Texte zu analysieren und zu interpretieren. Auf Grundlage der literaturwissenschaftlichen Analyse sollen die Texte immer wieder auch didaktisch betrachtet und hinsichtlich ihres Potentials für einen Einsatz im Schulunterricht befragt werden. Gegen Ende des Semesters besteht die Möglichkeit, die Textauswahl durch eigenen Input in Form von kleineren Projektarbeiten in Vorbereitung der Hausarbeit (siehe unten) mitzugestalten.
Die erfolgreiche Teilnahme am Seminar setzt die Bereitschaft zur produktiven Mitarbeit im Seminargeschehen sowohl in Kleingruppen als auch im Plenum sowie die selbstständige und vorbereitende Lektüre von Primär- und Sekundärliteratur voraus. Ausgewählte Forschungsliteratur wird im Laufe des Semesters bekanntgegeben und über OLAT zur Verfügung gestellt; der Reclamband von Gunter E. Grimm (Hg.): Politische Lyrik. Deutsche Zeitgedichte von der Französischen Revolution bis zur Wiedervereinigung. Ditzingen: Philipp Reclam 2015 (ISBN: 978-3-15-015061-0) ist bis zur zweiten Sitzung selbst zu besorgen. Ferner werden Grundkenntnisse aus Modul 1 und 2 vorausgesetzt. Die Modulabschlussprüfung legen Sie in Form einer Hausarbeit ab. Nähere Informationen zum Modulabschluss, zu den Anforderungen an die Hausarbeit und zur Organisation des Seminars erhalten Sie in den ersten Sitzungen.
Sommersemester 2025
Modul 2: Grundlagen der Literaturwissenschaft (Seminar)
Das Seminar führt in die Grundlagen der Literaturwissenschaft ein. Es werden u.a. die Themenkomplexe Gattungen, Literaturgeschichte, Literaturtheorie, Kanon und literarische Wertung besprochen. Neben der begleitenden Lektüre von Stefan Neuhaus: Grundriss der Literaturwissenschaft. 5. Auflage. Tübingen u. Basel: Francke 2017 (UTB 2477). ist die Rezeption folgender Texte obligatorisch (sofern vorhanden, bitte Ausgaben des Reclam-Verlags verwenden):
Luise Adelgunde Victorie Gottsched: Die Pietistery im Fischbein-Rocke;
Friedrich Schiller: Die Räuber;
Johann Wolfgang von Goethe: Faust I;
Novalis: Heinrich von Ofterdingen;
Thomas Mann: Buddenbrooks;
Friedrich Dürrenmatt: Der Verdacht;
Elfriede Jelinek: Die Schutzbefohlenen.
Weitere Texte und Gedichte werden im Verlauf der Veranstaltung genannt. Obligatorisch für die Teilnahme ist der Besuch der Vorlesung in M1, die Voraussetzungen für den erfolgreichen Abschluss des Seminars werden in der ersten Sitzung bekanntgegeben.
Modul 5: Reiseliteratur im Spiegel der Literaturwissenschaft und -didaktik (Seminar - SoSe 25)
„Schienen, die blauen Adern aus Eisen,
Durchrinnen die Welt, ein rauschendes Netz.
Herz, rinn mit ihnen! Raff auf dich, zu reisen,
Im Flug nur entfliehst du Gewalt und Gesetz.
Im Flug nur entfliehst du der eigenen Schwere,
Die dir dein Wesen umschränkt und erdrückt.
Wirf dich ins Weite, wirf dich ins Leere,
Nur Ferne gewinnt dich dir selber zurück!“
Diese ersten beiden Strophen aus Stefan Zweigs Hymnus an die Reise drücken aus, welche Hoffnung viele mit dem Reisen verbinden: Transgression – Bewegungen durch Raum und Zeit, die uns über topologische und topographische Grenzen hinweg und dadurch nicht selten (und paradoxerweise) näher zu uns selbst führen können. Das Reisen ist ein prominentes Handlungs- und Strukturelement literarischer Texte, dessen Geschichte sich von antiken Texten bis in die Literatur der Gegenwart nachzeichnen lässt.
Im Seminar werden wir wesentliche Grundzüge des Forschungsdiskurses um die Reiseliteratur aufarbeiten und durch exemplarische Analysen von reiseliterarischen Texten unterschiedlicher Gattungen zeigen, welche formalen und inhaltlichen Aspekte relevant werden, wie sich diese Aspekte beschreiben und wie sich die Texte in dieser Perspektive schließlich deuten lassen. Darüber hinaus sollen die Untersuchungen immer wieder auch mit aktuellen kultur- und literaturtheoretischen Forschungsinteressen wie dem Postkolonialismus und vor allem mit literaturdidaktischen Erwägungen in Berührung gebracht werden, um reiseliterarische Texte als Gegenstand des Literaturunterrichts sowohl an Grund- als auch an weiterführenden Schulen zu reflektieren und das Seminar in Resonanz zur Vorlesung Literatur – Lesen – Lernen zu bringen.
Die erfolgreiche Teilnahme am Seminar setzt die Bereitschaft zur produktiven Mitarbeit im Seminargeschehen sowohl in Kleingruppen als auch im Plenum sowie die selbstständige und vorbereitende Lektüre der unten angegebenen Primärtexte voraus. Gleiches gilt für die Forschungsliteratur, die im Laufe des Semesters bekanntgegeben und über OLAT zur Verfügung gestellt wird; die Primärtexte sind bis zur dritten Sitzung selbst zu besorgen.
Die Modulabschlussprüfung legen Sie in Form einer Hausarbeit ab. Nähere Informationen zum
Modulabschluss, zu den Anforderungen an die Hausarbeit und zur Organisation des Seminars erhalten
Sie in den ersten Sitzungen.
Primärliteratur: (sollten Sie einen der Texte bereits in einer anderen Ausgabe besitzen, ist das kein Problem, aber es erleichtert die Kommunikation, wenn Seitenangaben allen die gleiche Orientierung bieten...)
1. Ausgewählte Gedichte aus dem Band: Greiff, Vanessa (Hg.): Reisen. Gedichte. Ditzingen: Philipp Reclam 2018. ISBN: 978-3-15-019528-4.
2. Bossong, Nora: Schutzzone. Berlin: Suhrkamp 2019. ISBN: 978-3-518-42882-5.
3. Davies, Benji: Opas Insel. Aus d. Englischen von Johanna Hohnhold. Hamburg: Aladin 2016. ISBN: 978-3-848-90102-9.
4. Herrndorf, Wolfgang: Tschick. Hamburg: Rowohlt. ISBN: 978-3-499-25635-6.
Modul 5: Romane und Kurzgeschichten in reiseliterarischer Perspektive (Seminar - SoSe 25)
„Geschichten ereignen sich nicht. Geschichten werden erzählt.“ Im ersten Satz des Vorwortes zu seinem Atlas eines ängstlichen Mannes ruft Christoph Ransmayr auf den ersten Blick einen Gegensatz zwischen Fakt und Fiktion, zwischen empirischem Geschehen und dem mündlichen oder schriftlichen Erzählen auf. Der Blick in die siebzig Episoden, die der Autor in seinem aus Kurzgeschichten bestehenden ‚Kartenwerk‘ versammelt, zeigt jedoch, dass es sich hierbei nur um eine scheinbare Dichotomie handelt, denn jede der Geschichten erzählt die Station einer Reise und wird hin- und hergetrieben zwischen authentischem Augenzeugenbericht und sprachlicher Verdichtung – zwischen dem Geschehen und der Geschichte, die als zwei Seiten derselben Medaille untrennbar verbunden bleiben.
Im Seminar werden wir ausgewählte erzählende Texte verschiedener Form unter anderem von Christoph Ransmayr und Christian Kracht vor allem im Kontext der Reiseliteratur betrachten. Hierzu sollen allgemeinere Erwägungen und Begriffsbestimmungen dieses Forschungsdiskurses, etwa das oben angedeutete Spannungsfeld zwischen Fakt und Fiktion, ebenso erarbeitet werden wie spezifischere Positionen, die gemeinsam eine professionelle Grundlage für die literaturwissenschaftliche Analyse stiften sollen. Darüber hinaus sollen die entsprechenden Texte auch hinsichtlich ihres literaturdidaktischen Potentials befragt und im Kontext einer Produktionsorientierung zum Ausgangspunkt für das eigene Schreiben über Reisen werden.
Die erfolgreiche Teilnahme am Seminar setzt die Bereitschaft zur produktiven Mitarbeit im Seminargeschehen sowohl in Kleingruppen als auch im Plenum sowie die selbstständige und vorbereitende Lektüre der unten angegebenen Primärtexte voraus. Gleiches gilt für die Forschungsliteratur, die im Laufe des Semesters bekanntgegeben und über OLAT zur Verfügung gestellt wird; die Primärtexte sind bis zur dritten Sitzung selbst zu besorgen.
Primärliteratur:
1. Ransmayr, Christoph: Der fliegende Berg. Frankfurt a. M.: Fischer 2006. ISBN: 978-3-10-403254-2.
2. Ransmayr, Christoph: Atlas eines ängstlichen Mannes. Frankfurt a. M.: Fischer 2012. ISBN: 978-3-596-19563-3.
3. Kracht, Christian: Der gelbe Bleistift. Reisegeschichten aus Asien. Frankfurt a.M.: Fischer 2012. ISBN: 978-3-596-18531-3.
Betreuung von Abschlussarbeiten
Bitte vermeiden Sie Anfragen in der Art „Hätten Sie grundsätzlich Zeit…“, treten Sie stattdessen mit einem an meinem Forschungsschwerpunkt (https://www.uni-koblenz.de/de/philologie-kulturwissenschaften/forschung/traveling-bodies-bodies-and-corporeality-in-travel-literature/members-team) orientierten Themenvorschlag an mich heran und kommen Sie in meine Sprechstunde.
Nach dieser ersten Orientierung erwarte ich die Ausarbeitung eines Exposés, das die Zielsetzung, das methodische Vorgehen, eine erste Arbeitsgliederung sowie eine vorläufige Forschungsbibliographie für Ihre Arbeit umfasst. Haben wir diese Routenmarkierungen erfolgreich besprochen und gesetzt, folgt die Anmeldung Ihrer Arbeit beim Hochschulprüfungsamt, dessen Informationen rund um das Anfertigen von Abschlussarbeiten Sie ebenso wahrnehmen sollten wie den Leitfaden für Bachelorarbeiten in der Germanistik sowie den dort abgesteckten Rahmen für das wissenschaftliche Arbeiten (Zitieren, formale Gestaltung etc.).
Die Betreuung Ihrer Arbeit ist damit übrigens keineswegs abgeschlossen, ich stehe Ihnen selbstverständlich bis zur Abgabe mit Rat und Tat zur Seite!
Sollten Sie im Anschluss an die Noteneintragung Rückfragen haben oder ein abschließendes Feedback wünschen, melden Sie sich einfach bei mir.
Anfertigen von Hausarbeiten
Für das Anfertigen von Hausarbeiten bei mir beachten Sie bitte die Hinweise zum einheitlichen Verfahren für Hausarbeiten in der Germanistik und den nur für meine Seminare gültigen Style Sheet, auf dem Sie die wichtigsten formalen Anforderungen sowie einen Erwartungshorizont für Ihre Hausarbeit finden.
Das Prüfungsdeckblatt für Hausarbeiten finden Sie hier.
Lehrveranstaltungen
A priori
Ich bemühe mich in meinen Lehrveranstaltungen um eine möglichst genderneutrale und -gerechte Sprache, was mir im Eifer des Gefechts nicht immer gelingen wird. Grundsätzlich werden auf den Folien, in meinen Texten und verbalen Beiträgen alle Geschlechter und Geschlechtsidentitäten mitgemeint. Sollte ich Sie einmal falsch pronominieren, korrigieren Sie mich einfach umgehend und freundlich. Das wünsche ich mir im Übrigen für den generellen Umgang miteinander, besonders auch in meinen Veranstaltungen, denn ich halte es für einen demokratisch-freiheitlichen Minimalkonsens, dass persönliche Identität zu respektieren ist, solange sie die der Anderen nicht gefährdet oder infrage stellt.
Sommersemester 2026
Modul 2: Grundlagen der Literaturwissenschaft (Seminar)
Das Seminar führt in die Grundlagen der Literaturwissenschaft ein. Es werden u.a. die Themenkomplexe Gattungen, Literaturgeschichte, Literaturtheorie, Kanon und literarische Wertung besprochen. Neben der begleitenden Lektüre von Stefan Neuhaus: Grundriss der Literaturwissenschaft. 5. Auflage. Tübingen u. Basel: Francke 2017 (UTB 2477). ist die Rezeption folgender Texte obligatorisch (sofern vorhanden, bitte Ausgaben des Reclam-Verlags verwenden):
Luise Adelgunde Victorie Gottsched: Die Pietistery im Fischbein-Rocke;
Friedrich Schiller: Die Räuber;
Johann Wolfgang von Goethe: Faust I;
Novalis: Heinrich von Ofterdingen;
Thomas Mann: Buddenbrooks;
Friedrich Dürrenmatt: Der Verdacht;
Elfriede Jelinek: Die Schutzbefohlenen.
Weitere Texte und Gedichte werden im Verlauf der Veranstaltung genannt. Obligatorisch für die Teilnahme ist der Besuch der Vorlesung in M1, die Voraussetzungen für den erfolgreichen Abschluss des Seminars werden in der ersten Sitzung bekanntgegeben.
Modul 5: Lyrische Texte in literaturwissenschaftlicher und -didaktischer Perspektive (Seminar - SoSe 26)
„In der Tat, mit Gedichten ist es eigenartig. Kinder haben eine unmittelbare Freude an Klang und Rhythmus, […] Jugendliche schreiben die Songtexte ihrer Lieblingsgruppen ab und können ganze Lieder mitsingen. Heine, Rilke oder Celan aber gehören für die allerwenigsten zur Privatlektüre. Vieles, was die Schule an Gedichten für Jugendliche bereithält, und besonders die Prozedur der Gedichtinterpretation, hinterlässt häufig zwiespältige Erinnerungen.“ Die Worte, mit denen Martin Leubner, Anja Saupe und Matthias Richter in den Lyrik-Teil ihres Bandes ‚Literaturdidaktik‘ (2016, hier S. 102) einführen, dürften vielen SchülerInnen wie Studierenden aus dem Herzen sprechen. Die AutorInnen weisen auf das paradoxe Verhältnis hin, in dem der Literaturunterricht zu dieser Gattung steht: Auf der einen Seite gehören Gedichte, nicht nur auf Grund ihrer verglichen mit Prosa- oder Dramentexten relativen Kürze, zu den am häufigsten eingesetzten Texten in der Schule, auf der anderen Seite sind gerade mit der manchmal eher nach dem Zufallsprinzip ablaufenden Suche nach Metren, dem detektivischen Aufspüren von Stilmitteln sowie dem oft holzschnittartigen Schreiben von Interpretationen beliebte Vorwürfe und schlechte Erinnerungen an den Deutschunterricht verbunden.
Wir wollen uns verschiedenen lyrischen Texten aus einer literaturwissenschaftlichen und -didaktischen Perspektive nähern und hierbei wichtige Aspekte dieser Gattung und ihrer literaturhistorischen Entwicklung in exemplarischen Analysen zur Sprache bringen, um diese Texte im nächsten Schritt immer wieder hinsichtlich ihrer Potentiale für einen Einsatz an unterschiedlichen Schulformen zu befragen. Hierzu werden wir uns verschiedene Gruppen lyrischer Texte von der Naturlyrik über die politische Dichtung bis hin zur Kinderlyrik anschauen und immer wieder versuchen zu zeigen, dass die oben skizzierten Abläufe auf Fehlvorstellungen zurückzuführen sind, denn gerade die Arbeit mit Gedichten im Literaturunterricht ist eben kein Ratespiel und kein Nachlaufen immergleicher Pfade, sondern eine intensive ästhetische Erfahrung, in der sich zentrale Merkmale der Literatur wie Polyvalenz, Überstrukturiertheit oder Autoreflexivität erfahrbar und verständlich machen lassen.
Darüber hinaus werden wir in einigen Sitzungen ein kleines Experiment in Richtung ‚Digital-Detox‘ machen: Der partielle Verzicht auf digitale Endgeräte soll uns hierbei wieder auf die Spur jener ästhetischen Erfahrung und produktiven Arbeit an den Texten führen, die untrennbar zur Literatur als individueller, sozialer und kultureller Praxis gehört. Wenn Sie sich also vor Papier, Stift, lautem Vorlesen und aktivem Hinhören fürchten, sehen Sie von einer Anmeldung auf einen Seminarplatz gerne ab. Gegen Ende des Semesters besteht die Möglichkeit, die Textauswahl durch eigenen Input in Form von kleineren Projektarbeiten in Vorbereitung der Hausarbeit (siehe unten) mitzugestalten.
Die erfolgreiche Teilnahme am Seminar setzt die Bereitschaft zur produktiven Mitarbeit im Seminargeschehen sowohl in Kleingruppen als auch im Plenum sowie die selbstständige und vorbereitende Lektüre von Primär- und Sekundärliteratur voraus. Ausgewählte Forschungsliteratur wird im Laufe des Semesters bekanntgegeben und über OLAT zur Verfügung gestellt; es empfiehlt sich dringend, sich den ‚Echtermeyer‘ anzuschaffen. Alle Gedichte, die dort nicht zu finden sind, werden bereitgestellt. Ferner werden selbstverständlich Grundkenntnisse aus Modul 1 und 2 vorausgesetzt. Die Modulabschlussprüfung legen Sie in Form einer Hausarbeit ab. Nähere Informationen zum Modulabschluss, zu den Anforderungen an die Hausarbeit und zur Organisation des Seminars erhalten Sie in den ersten Sitzungen.
Empfohlene Literatur:
Grimm, Gunter E. (Hg.): Politische Lyrik. Deutsche Zeitgedichte von der Französischen Revolution bis zur Wiedervereinigung. Ditzingen: Philipp Reclam 2015. ISBN: 978-3-15-015061-0.
Paefgen, Elisabeth K./Geist, Peter (Hg.): Echtermeyer. Deutsche Gedichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 20. Auflage. Berlin: Cornelsen 2010. ISBN: 978-3-06-061932-0.
Lamping, Dieter (Hg.): Handbuch Lyrik. Theorie, Analyse, Geschichte. 2. Auflage. Stuttgart: Metzler 2016.
Zymner, Rüdiger: Lyrik: Umriss und Begriff. Paderborn: Brill 2009.
Leubner, Martin/Saupe, Anja/Richter, Matthias: Literaturdidaktik. 3., überarb. und erg. Auflage. Berlin/Boston: de Gruyter 2016.
Lotman, Jurij M.: Die Struktur literarischer Texte. Übersetzt von Rolf-Dietrich Keil. München: Wilhelm Fink 1972.
Wintersemester 2025/26
Modul 2: Grundlagen der Literaturwissenschaft (Seminar)
Das Seminar führt in die Grundlagen der Literaturwissenschaft ein. Es werden u.a. die Themenkomplexe Gattungen, Literaturgeschichte, Literaturtheorie, Kanon und literarische Wertung besprochen. Neben der begleitenden Lektüre von Stefan Neuhaus: Grundriss der Literaturwissenschaft. 5. Auflage. Tübingen u. Basel: Francke 2017 (UTB 2477) ist die Rezeption folgender Texte obligatorisch:
Luise Adelgunde Victorie Gottsched: Die Pietisterey im Fischbein-Rocke
Friedrich Schiller: Die Räuber
Johann Wolfgang von Goethe: Faust I
Novalis: Heinrich von Ofterdingen
Thomas Mann: Buddenbrooks
Friedrich Dürrenmatt: Der Verdacht
Elfriede Jelinek: Die Schutzbefohlenen
Weitere Texte und Gedichte werden im Verlauf der Veranstaltung genannt. Obligatorisch für die Teilnahme ist der Besuch der Vorlesung in M1, die Voraussetzungen für den erfolgreichen Abschluss des Seminars werden in der ersten Sitzung bekanntgegeben.
Modul 5: Erzählende Texte der Reiseliteratur im Literaturunterricht (Seminar - WiSe 2025/26)
„In ihrem preisgekrönten Klassiker der poetischen Atlanten entführt uns Judith Schalansky zu 55 entlegenen Orten und erzählt absurd-abgründige Geschichten, wie sie nur die Wirklichkeit sich auszudenken vermag“, so heißt es im Paratext zu Schalanskys ‚Atlas der abgelegenen Inseln‘. Ihr Werk kartographiert die Welt auf besondere Weise, denn in einer Mischung aus graphischen Darstellungen und Erzählungen werden die Grenzen zwischen Faktualität und Fiktionalität ausgelotet und damit das Spannungsfeld nachgezeichnet, das von konstitutiver Bedeutung ist für das Schreiben über Reisen. Im Seminar werden wir ausgewählte erzählende Texte betrachten, die sich im engeren Sinne der Reiseliteratur zuordnen lassen. Um dieser Betrachtung Perspektive zu geben, sollen zunächst einige zentrale Merkmale dieser heterogenen Gattung bestimmt und mit grundlegenden methodischen und theoretischen Konzepten der Literaturwissenschaft in Berührung gebracht werden. Während uns Schalanskys ‚Atlas‘ mit abgelegenen Orten bekannt macht, in denen sich globaler Makroraum, spezifischer Mikroraum der Insel sowie historische und textuelle Spuren vermischen, führt uns Christoph Ransmayrs ‚Der fliegende Berg‘ ins tibetische Hochland, das sich in verschiedener Hinsicht als natürlicher und emotionaler Extremraum zeigen wird. Schließlich wird Benji Davies‘ Bilderbuch ‚Opas Insel‘ die Reise als Lebensmetapher thematisieren und in den Kontext von Tod und Trauer stellen. Ergänzt werden die unterschiedlichen methodischen und theoretischen Zugänge zu den Texten immer wieder durch didaktische Perspektiven, aus denen sich Verbindungen zur Literaturdidaktik, zur Kinder- und Jugendliteratur sowie zur Vorlesung ‚Literatur – Lesen – Lernen‘ ergeben können.
Die erfolgreiche Teilnahme am Seminar setzt die Bereitschaft zur produktiven Mitarbeit im Seminargeschehen sowohl in Kleingruppen als auch im Plenum sowie die selbstständige und vorbereitende Lektüre der unten angegebenen Primärtexte voraus. Gleiches gilt für die Forschungsliteratur, die im Laufe des Semesters bekanntgegeben und über OLAT zur Verfügung gestellt wird; die Primärtexte sind bis zur dritten Sitzung selbst zu besorgen. Ferner werden Grundkenntnisse aus Modul 1 und 2 vorausgesetzt. Die Modulabschlussprüfung legen Sie in Form einer Hausarbeit ab. Nähere Informationen zum Modulabschluss, zu den Anforderungen an die Hausarbeit und zur Organisation des Seminars erhalten Sie in den ersten Sitzungen.
Modul 5: Politische Lyrik in didaktischer Perspektive (Seminar - WiSe 2025/26)
"Auf einem Haufen steckt man Bücher an
Die Kunst verlässt das Land
Die Musik entartet, der Rest ist uns bekannt
So hängen wir die Bilder ab, die Boxen bleiben still
Weißes Rauschen, brauner Ton
Aber was ist wenn ich nicht
Was ist wenn ich nicht
Was ist wenn ich nicht mehr will"
An diesem Ausschnitt aus dem Liedtext von ‚Keine Hymnen heute‘ (2017) der Broilers zeigt sich, dass Politik und Kunst keinesfalls nur als Kommentarspuren nebeneinander herlaufen, sondern sich auf verschiedenen Ebenen durchdringen. So bietet sich der Literatur nicht nur die Möglichkeit einer inhaltlichen Thematisierung des politischen Geschehens, vielmehr schafft sie in ihrer literar-ästhetischen Tiefenstruktur einen Resonanzraum für politische Diskurse, an deren Gestaltung sie Teil hat. Da Literatur Ausdruck kritischer Positionen werden kann und in der Tradition der Aufklärung an der Herausbildung gesellschaftlicher und individueller Freiheiten beteiligt ist, reagieren autoritäre Systeme nicht selten mit Zensur und Verboten auf subversive Texte; Ansätze solcher Bestrebungen finden sich auch heutzutage, wie der Blick in die USA belegt, in denen Werke wie George Orwells ‚1984‘ oder ‚Das Tagebuch der Anne Frank‘ teilweise aus dem Schulunterricht entfernt wurden. Im Seminar wollen wir uns mit der Gattung politischer Lyrik beschäftigen, in der diese Verbindungen zwischen Politik und Literatur in besonders dichter Form Ausdruck finden. Hierbei sollen ältere Texte aus der Zeit der Französischen Revolution den Blick öffnen für weitere Entwicklungen der Gattung, die wir über die Exilliteratur und die Wiedervereinigung bis in die Gegenwart nachzeichnen wollen, um schließlich zeitgenössische Liedtexte als Formen vertonter Lyrik im Zusammenhang mit aktuellen Diskursverschiebungen zu diskutieren. Dazu werden wir uns unterschiedlicher theoretischer und methodischer Zugänge etwa aus den Bereichen der Hermeneutik, des Strukturalismus und der Diskursanalyse bedienen, um die Texte zu analysieren und zu interpretieren. Auf Grundlage der literaturwissenschaftlichen Analyse sollen die Texte immer wieder auch didaktisch betrachtet und hinsichtlich ihres Potentials für einen Einsatz im Schulunterricht befragt werden. Gegen Ende des Semesters besteht die Möglichkeit, die Textauswahl durch eigenen Input in Form von kleineren Projektarbeiten in Vorbereitung der Hausarbeit (siehe unten) mitzugestalten.
Die erfolgreiche Teilnahme am Seminar setzt die Bereitschaft zur produktiven Mitarbeit im Seminargeschehen sowohl in Kleingruppen als auch im Plenum sowie die selbstständige und vorbereitende Lektüre von Primär- und Sekundärliteratur voraus. Ausgewählte Forschungsliteratur wird im Laufe des Semesters bekanntgegeben und über OLAT zur Verfügung gestellt; der Reclamband von Gunter E. Grimm (Hg.): Politische Lyrik. Deutsche Zeitgedichte von der Französischen Revolution bis zur Wiedervereinigung. Ditzingen: Philipp Reclam 2015 (ISBN: 978-3-15-015061-0) ist bis zur zweiten Sitzung selbst zu besorgen. Ferner werden Grundkenntnisse aus Modul 1 und 2 vorausgesetzt. Die Modulabschlussprüfung legen Sie in Form einer Hausarbeit ab. Nähere Informationen zum Modulabschluss, zu den Anforderungen an die Hausarbeit und zur Organisation des Seminars erhalten Sie in den ersten Sitzungen.
Sommersemester 2025
Modul 2: Grundlagen der Literaturwissenschaft (Seminar)
Das Seminar führt in die Grundlagen der Literaturwissenschaft ein. Es werden u.a. die Themenkomplexe Gattungen, Literaturgeschichte, Literaturtheorie, Kanon und literarische Wertung besprochen. Neben der begleitenden Lektüre von Stefan Neuhaus: Grundriss der Literaturwissenschaft. 5. Auflage. Tübingen u. Basel: Francke 2017 (UTB 2477). ist die Rezeption folgender Texte obligatorisch (sofern vorhanden, bitte Ausgaben des Reclam-Verlags verwenden):
Luise Adelgunde Victorie Gottsched: Die Pietistery im Fischbein-Rocke;
Friedrich Schiller: Die Räuber;
Johann Wolfgang von Goethe: Faust I;
Novalis: Heinrich von Ofterdingen;
Thomas Mann: Buddenbrooks;
Friedrich Dürrenmatt: Der Verdacht;
Elfriede Jelinek: Die Schutzbefohlenen.
Weitere Texte und Gedichte werden im Verlauf der Veranstaltung genannt. Obligatorisch für die Teilnahme ist der Besuch der Vorlesung in M1, die Voraussetzungen für den erfolgreichen Abschluss des Seminars werden in der ersten Sitzung bekanntgegeben.
Modul 5: Reiseliteratur im Spiegel der Literaturwissenschaft und -didaktik (Seminar - SoSe 25)
„Schienen, die blauen Adern aus Eisen,
Durchrinnen die Welt, ein rauschendes Netz.
Herz, rinn mit ihnen! Raff auf dich, zu reisen,
Im Flug nur entfliehst du Gewalt und Gesetz.
Im Flug nur entfliehst du der eigenen Schwere,
Die dir dein Wesen umschränkt und erdrückt.
Wirf dich ins Weite, wirf dich ins Leere,
Nur Ferne gewinnt dich dir selber zurück!“
Diese ersten beiden Strophen aus Stefan Zweigs Hymnus an die Reise drücken aus, welche Hoffnung viele mit dem Reisen verbinden: Transgression – Bewegungen durch Raum und Zeit, die uns über topologische und topographische Grenzen hinweg und dadurch nicht selten (und paradoxerweise) näher zu uns selbst führen können. Das Reisen ist ein prominentes Handlungs- und Strukturelement literarischer Texte, dessen Geschichte sich von antiken Texten bis in die Literatur der Gegenwart nachzeichnen lässt.
Im Seminar werden wir wesentliche Grundzüge des Forschungsdiskurses um die Reiseliteratur aufarbeiten und durch exemplarische Analysen von reiseliterarischen Texten unterschiedlicher Gattungen zeigen, welche formalen und inhaltlichen Aspekte relevant werden, wie sich diese Aspekte beschreiben und wie sich die Texte in dieser Perspektive schließlich deuten lassen. Darüber hinaus sollen die Untersuchungen immer wieder auch mit aktuellen kultur- und literaturtheoretischen Forschungsinteressen wie dem Postkolonialismus und vor allem mit literaturdidaktischen Erwägungen in Berührung gebracht werden, um reiseliterarische Texte als Gegenstand des Literaturunterrichts sowohl an Grund- als auch an weiterführenden Schulen zu reflektieren und das Seminar in Resonanz zur Vorlesung Literatur – Lesen – Lernen zu bringen.
Die erfolgreiche Teilnahme am Seminar setzt die Bereitschaft zur produktiven Mitarbeit im Seminargeschehen sowohl in Kleingruppen als auch im Plenum sowie die selbstständige und vorbereitende Lektüre der unten angegebenen Primärtexte voraus. Gleiches gilt für die Forschungsliteratur, die im Laufe des Semesters bekanntgegeben und über OLAT zur Verfügung gestellt wird; die Primärtexte sind bis zur dritten Sitzung selbst zu besorgen.
Die Modulabschlussprüfung legen Sie in Form einer Hausarbeit ab. Nähere Informationen zum
Modulabschluss, zu den Anforderungen an die Hausarbeit und zur Organisation des Seminars erhalten
Sie in den ersten Sitzungen.
Primärliteratur: (sollten Sie einen der Texte bereits in einer anderen Ausgabe besitzen, ist das kein Problem, aber es erleichtert die Kommunikation, wenn Seitenangaben allen die gleiche Orientierung bieten...)
1. Ausgewählte Gedichte aus dem Band: Greiff, Vanessa (Hg.): Reisen. Gedichte. Ditzingen: Philipp Reclam 2018. ISBN: 978-3-15-019528-4.
2. Bossong, Nora: Schutzzone. Berlin: Suhrkamp 2019. ISBN: 978-3-518-42882-5.
3. Davies, Benji: Opas Insel. Aus d. Englischen von Johanna Hohnhold. Hamburg: Aladin 2016. ISBN: 978-3-848-90102-9.
4. Herrndorf, Wolfgang: Tschick. Hamburg: Rowohlt. ISBN: 978-3-499-25635-6.
Modul 5: Romane und Kurzgeschichten in reiseliterarischer Perspektive (Seminar - SoSe 25)
„Geschichten ereignen sich nicht. Geschichten werden erzählt.“ Im ersten Satz des Vorwortes zu seinem Atlas eines ängstlichen Mannes ruft Christoph Ransmayr auf den ersten Blick einen Gegensatz zwischen Fakt und Fiktion, zwischen empirischem Geschehen und dem mündlichen oder schriftlichen Erzählen auf. Der Blick in die siebzig Episoden, die der Autor in seinem aus Kurzgeschichten bestehenden ‚Kartenwerk‘ versammelt, zeigt jedoch, dass es sich hierbei nur um eine scheinbare Dichotomie handelt, denn jede der Geschichten erzählt die Station einer Reise und wird hin- und hergetrieben zwischen authentischem Augenzeugenbericht und sprachlicher Verdichtung – zwischen dem Geschehen und der Geschichte, die als zwei Seiten derselben Medaille untrennbar verbunden bleiben.
Im Seminar werden wir ausgewählte erzählende Texte verschiedener Form unter anderem von Christoph Ransmayr und Christian Kracht vor allem im Kontext der Reiseliteratur betrachten. Hierzu sollen allgemeinere Erwägungen und Begriffsbestimmungen dieses Forschungsdiskurses, etwa das oben angedeutete Spannungsfeld zwischen Fakt und Fiktion, ebenso erarbeitet werden wie spezifischere Positionen, die gemeinsam eine professionelle Grundlage für die literaturwissenschaftliche Analyse stiften sollen. Darüber hinaus sollen die entsprechenden Texte auch hinsichtlich ihres literaturdidaktischen Potentials befragt und im Kontext einer Produktionsorientierung zum Ausgangspunkt für das eigene Schreiben über Reisen werden.
Die erfolgreiche Teilnahme am Seminar setzt die Bereitschaft zur produktiven Mitarbeit im Seminargeschehen sowohl in Kleingruppen als auch im Plenum sowie die selbstständige und vorbereitende Lektüre der unten angegebenen Primärtexte voraus. Gleiches gilt für die Forschungsliteratur, die im Laufe des Semesters bekanntgegeben und über OLAT zur Verfügung gestellt wird; die Primärtexte sind bis zur dritten Sitzung selbst zu besorgen.
Primärliteratur:
1. Ransmayr, Christoph: Der fliegende Berg. Frankfurt a. M.: Fischer 2006. ISBN: 978-3-10-403254-2.
2. Ransmayr, Christoph: Atlas eines ängstlichen Mannes. Frankfurt a. M.: Fischer 2012. ISBN: 978-3-596-19563-3.
3. Kracht, Christian: Der gelbe Bleistift. Reisegeschichten aus Asien. Frankfurt a.M.: Fischer 2012. ISBN: 978-3-596-18531-3.




