Lehrveranstaltungen SoSe 2014
M5 Vorlesung: Literarische Sozialisation, Freitag 10-12 Uhr, D 028
Ein zeitgemäßer schulischer Literaturunterricht soll Fähigkeiten auf den verschiedensten Ebenen anbahnen, die in der Fachliteratur etwa mit den Begriffen Lesekompetenz, literarische Rezeptionskompetenz, Medienkompetenz, kulturelle Kompetenz, etc. umschrieben werden. Bevor es jedoch zu einer angemessenen, planvollen und begründeten Anbahnung solcher ‚Kompetenzen’ bei den Schülerinnen und Schülern kommen kann, ist eine genauere Beschäftigung mit den Grundlagen und Voraussetzungen unerlässlich, um zu entsprechenden Fragen der Literaturdidaktik und der Frage der Leseförderung Position zu beziehen. Die Forschungsdisziplin ‚Literarische Sozialisation’ fragt nach verschiedenen Formen und Funktionen der Lektüre in lebensgeschichtlicher und historischer Perspektive sowie nach den historischen und aktuellen Bedingungen des Hineinwachsens von Kindern und Jugendlichen in die literarische Kultur. Zu Beginn der Vorlesung werden einige wichtige begriffliche und konzeptionelle Klärungen stehen (etwa Lese- und literarische Sozialisation, Lese- /Verstehensbegriff etc.). Auf der Grundlage von empirischen Studien werden dann die verschiedenen Instanzen näher betrachtet und hinterfragt, die an einer ge- oder misslingenden literarischen Sozialisation beteiligt sind. Das Verhältnis von Literatur, literarischem Lesen und Identitätsbildung wird ebenso Beachtung finden wie Fragen nach der Geschlechtsspezifik der literarischen Sozialisation. Abschließend befassen wir uns noch mit der Frage, welche Textqualitäten für Kinder und Jugendliche welchen Alters rezipierbar bzw. verstehbar sind.
Zur Anschaffung und vorbereitenden bzw. begleitenden Lektüre wird empfohlen: Graf, Werner: Lesegenese in Kindheit und Jugend. Einführung in die literarische Sozialisation. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren 2007.
M5 Seminar: Literarisches Lernen mit Kinder- und Jugendliteratur, Donnerstag: 14-16 Uhr, Raum E 313
Schulischer Literaturunterricht soll Fähigkeiten auf den verschiedensten Ebenen anbahnen, die in der Fachliteratur etwa mit den Begriffen Lesekompetenz, literarische Rezeptionskompetenz, Medienkompetenz, kulturelle Kompetenz, etc. umschrieben werden. Darüber hinaus kann als übergreifendes Ziel für einen zeitgemäßen schulischen Literaturunterricht formuliert werden, dass die Schüler/innen in die Lage versetzt werden sollen, literarisch-ästhetische Erfahrungen zu machen. Im Seminar werden wir uns damit befassen, was ‚literarisches Lernen’ und ‚literarische Rezeptionskompetenz’ eigentlich beinhaltet und inwiefern die Schüler/innen anhand von kinder- und jugendliterarischen Lektüren literarisch-ästhetische Erfahrungen machen können. Dabei werden auch Fragen der Wertung und Kanonisierung von Kinder- und Jugendliteratur diskutiert.
Die Kenntnis der Lektüren, nachgewiesen durch das Bestehen des Lektüretestes, ist Voraussetzung für einen erfolgreichen Abschluss des Seminars:
Wolfgang Herrndorf: Tschick. Berlin: Rowohlt 2010.
Erich Kästner: Emil und die Detektive. Hamburg: Dressler 2011
Kuhlmann, Evan Nick perfect, Bruder per Post. München: cbj Verlag 2012
Der Zauberlehrling. Poesie für Kinder. Johann Wolfgang v. Goethe; Sabine Wilharm. Berlin: Kindermann 2006.
Faust: nach Johann W. von Goethe. Barbara Kindermann; Klaus Ensikat. Berlin: Kindermann 2002.
Die Teilnehmerzahl der Seminare ist ab dem Sommersemester 2013 auf 45 begrenzt. Die Zulassung zu den Seminaren/Übungen der Module 1-6 erfolgt über ein automatisches Vergabeverfahren (Kombination aus Prioritätensetzung und Semesterzahl). Sollten mehr Bewerbungen als Plätze insgesamt vorliegen, entscheidet ein Losverfahren.
M5 Seminar: Kinder- und Jugendliteratur als Gegenstand von Forschung und Unterricht, Donnerstag 16-18 Uhr, Raum G 410
Befasst man sich mit dem Gegenstand Kinder- und Jugendliteratur (KJL), so stehen nach wie vor Fragen nach dem ‚pädagogischen Wert’ sowie dem Unterhaltungswert im Mittelpunkt der Betrachtung. Wir wollen im Seminar jedoch viel eher darüber nachdenken, was KJL überhaupt ist und wie sich kinder- und jugendliterarische Kommunikation vollzieht. Des Weiteren werden wir uns mit neueren Tendenzen in der KJL befassen, etwa den Dystopien, inter- und hypertextuellen Strategien sowie aktuellen Debatten etwa zur Political Correctness in klassischer KJL.
Die Kenntnis der Lektüren, nachgewiesen durch das Bestehen des Lektüretestes, ist Voraussetzung für einen erfolgreichen Abschluss des Seminars.
Lektüren:
Martin Baltscheit; Christine Schwarz: Das Gold des Hasen Beltz & Gelberg 2013 (Bilderbuch)
Guus Kuijer: Das Buch von allen Dingen (2006). Hamburg: Oetinger 2011 (Kinderbuch)
Erich Kästner: Emil und die Detektive. Hamburg: Dressler 2011
Victor Caspak; Yves Lanois (Zoran Drvenkar; Andreas Steinhöfel): Die Kurzhosengang (2001/04). Carlsen 2006. (Kinderbuch)
Benkau, Jennifer: Dark Canopy. Bindlach: Skript5 2012
Die Teilnehmerzahl der Seminare ist ab dem Sommersemester 2013 auf 45 begrenzt. Die Zulassung zu den Seminaren/Übungen der Module 1-6 erfolgt über ein automatisches Vergabeverfahren (Kombination aus Prioritätensetzung und Semesterzahl). Sollten mehr Bewerbungen als Plätze insgesamt vorliegen, entscheidet ein Losverfahren.
M9 Seminar: „unter Höllenwehen die Spinnen geboren in ungemeßner Zahl“. Die Spinne in der Literatur, Freitag 14-15:30 Uhr, Raum E 113
Spinnen sind – Spinnen. Als nicht immer willkommener Teil der menschlichen Lebenswelt und Kultur sind sie darüber hinaus auch Produkt und Ort verschiedenster Vorstellungsbilder, die sich in spezifischen Diskursen manifestieren. Uns interessiert im Seminar die Spinne in literarischen Diskursen aber auch im Film. Sie gewinnt dort als poetisches Zeichen Gestalt, erhält und wandelt sich als Motiv in der Überlieferung, fungiert als Sinnbild, Metapher oder Symbol. Schon Ovid beschreibt die Metamorphose der lydischen Weberin Arachne, die seitdem als unrein, giftik, valsch und unnüz Tier (Der Meißner; 1270/90) ihr Dasein fristen muß. Die unheimliche, böse, mordende Spinne treibt ihr Unwesen in zahlreichen Geschichten: ‚Tot’, wiederholte der Arzt. ‚Wodurch?’ ‚Die Spinne, die Krabbenspinne...oh!’ (Erckmann-Chatrian; 1860). Spinne und Frau gehen eine verderbliche und verdorbene Allianz ein: Da war es Christine, als ob plötzlich das Gesicht ihr platze, als ob glühende Kohlen geboren würden in demselben, lebendig würden, ihr gramselten über das Gesicht weg, [...] Da sah sie in des Blitzes fahlem Scheine langbeinig, giftig, unzählbar schwarze Spinnchen laufen über ihre Glieder, hinaus in die Nacht... (Jeremias Gotthelf; 1842). Um die Jahrhundertwende spiegeln sich dann männliche Phantasmen und Ängste vor der Femme fatale im Bild der Spinne: Vergeblich zappelte der Liebhaber, streckte immer wieder die schwachen Beinchen aus, suchte sich zu entwinden aus dieser wilden Umarmung: […] Dann schlug sie die scharfen Zangen in seinen Leib und sog in vollen Zügen das junge Blut des Geliebten. (Hanns Heinz Ewers; 1907) Ihre Fähigkeit, Netze zu bauen, sichert der Spinne jedoch auch einen versöhnlichen Platz in der Literatur. Im Rahmen des Seminars werden wir verschiedenen Motivfäden nachgehen. Im Mittelpunkt steht die Novelle Die schwarze Spinne von Jeremias Gotthelf.
Erste Hinweise zur Seminarlektüre:
Gotthelf, Jeremias: Die schwarze Spinne. Stuttgart: Reclam, 2006.
M13 Seminar: Leibesübung: Geschlechtergeschichten zwischen den Weltkriegen (mit Chr. Geulen), Mittwoch 14-16 Uhr, Raum H 009
Das Seminar untersucht in literaturwissenschaftlicher und historischer Perspektive die kulturelle Transformation von Geschlechterkonstruktionen und Geschlechterbeziehungen in der deutschen Zwischenkriegszeit von 1918 bis 1939. In Zentrum stehen zwei Romane: Marieluise Fleißers Mehlreisende Frieda Geier (1931) und Ernst Haffners Blutsbrüder (1932). Die in diesen literarischen Zeugnissen erzählten Entwürfe von Geschlechtsidentitäten und Geschlechterbeziehungen wird das Seminar herausarbeiten, historisch kontextualisieren, mit zusätzlichem Material der zeitgenössischen Wissenschaft, Gesellschaftspolitik und Populärkultur konfrontieren und in literaturwissenschaftlicher sowie geschichtstheoretischer Perspektive reflektieren. Ziel des Seminars ist es, in einer interdisziplinären Perspektive die wesentlichen Strukturmerkmale des Wandels herauszuarbeiten, den die Geschlechterdifferenz und ihre kulturelle Wahrnehmung in den 1920er und 1930er Jahren durchmachten. Dabei geht es weniger um die Entwicklung der Frauenemanzipation als vielmehr um die damit korrespondierende Transformation und narrative Konstruktion von Männlichkeitskonzepten sowie die Herausbildung neuer sozialer Räume des Geschlechterverhältnisses.
Historische und literaturgeschichtliche Grundkenntnisse über die Zwischenkriegszeit werden vorausgesetzt. Die beiden Romane sollten angeschafft bzw. (die Mehlreisende s.u.) kopiert werden und bis zum Beginn des Seminars gelesen sein. Ebenfalls vorausgesetzt wird die Bereitschaft zu interdisziplinärer Arbeit und Lektüre. Das Seminar will literaturwissenschaftliche und historische Lesarten nicht nur nebeneinanderstellen, sondern mit Blick auf die untersuchten ‚Geschlechtergeschichten’ systematisch miteinander verschränken, um so auch den kulturwissenschaftlichen Mehrwert eines interdisziplinären Zugangs zu verdeutlichen.
Literatur:
Romane:
Marieluise Fleißer: Mehlreisende Frieda Geier. Roman vom Rauchen, Sporteln, Lieben und Verkaufen. G. Kiepenheuer Verlag 1931. Kopiervorlage im Semesterapparat Schaffers (bitte diese Fassung verwenden!)
Ernst Haffner: Blutsbrüder. Ein Berliner Cliquenroman (1932). Metrolit 2013. Bitte anschaffen
Als historische Einführung:
Detlev J.K. Peukert: Die Weimarer Republik. Krisenjahre der klassischen Moderne, Frankfurt 1987.




