Digitalität. Erziehungswissenschaftliche Erkundungen einer kulturellen Transformation
Digitalität. Erziehungswissenschaftliche Erkundungen einer kulturellen TransformationSektionstagung der Allgemeinen Erziehungswissenschaft | 08.–10.03.2023

Digitalität.

Erziehungswissenschaftliche Erkundungen einer kulturellen Transformation

Formen der Neuordnung von Realem und Virtuellem, Raum und Zeit, sozialen Verhältnissen und kulturellen Beständen sind dem pädagogischen Denken und Handeln alles andere als unbekannt. Kaum eine Entwicklung allerdings hat in der letzten Zeit so rasant die Verhältnisse, insbesondere in den praktischen Feldern der Pädagogik, verändert wie jene, die unter der Bezeichnung Digitalität figuriert. Vor der Corona-Pandemie in Szenarien präsentiert, die mittelfristig sowohl pädagogisches Wissen als auch Handlungspraktiken bedingen und einem grundlegenden Wandel unterziehen werden, haben die – z.T. ad hoc – kreierten Mittel, welche man einsetzte, um in Zeiten von Social Distancing und stetiger Verunsicherung pädagogisch agil zu bleiben, etliche der in Aussicht gestellten Facetten einer „Kultur der Digitalität“ (Stalder 2006) katalysatorisch befördert. Im Hier und Jetzt angekommen und binnen kürzester Zeit zu Selbstverständlichkeiten geronnen scheint damit, was man vor zehn, 20 oder 30 Jahren noch weithin als Kuriosum wahrgenommen hatte oder den meisten als spekulative Zeitdiagnose galt (z.B. Meder 1985). Dass man etwa in virtuellen Räumen nicht nur im Spezialfall unterrichten und pädagogisch handeln kann oder dass schulisches Lernen nicht nur ab und an, sondern vorzugsweise ‚computerisiert‘ gestaltet wird, sind Einsichten, die in den zurückliegenden Monaten die Erfahrungen des in pädagogischen Feldern tätigen Personals mitunter dominierten. Gleichzeitig ist im Kontext der Pandemie auch deutlich geworden, dass Atmosphäre, Co-Präsenz und direkte Begegnung für pädagogische Settings nicht durch digitale Surrogate zu ersetzen sind, ohne eine „pädagogische Regression“ (Tenorth 2020) zu riskieren. Möglichkeiten der Verschränkung von digitalen und analogen Dimensionen pädagogischer Prozesse werden gegenwärtig im Spannungsfeld von Utopien der Demokratisierung, Selbstbestimmung und grenzüberschreitenden Sozialität, wie sie bereits in frühen Internet- und Web-2.0-Diskursen zu finden sind, und Befürchtungen einer ökonomischen Überwachung (Zuboff 2019), digitalen Entmündigung (Mühlhoff 2018) und übergriffigen Gewalt im Metaversum, verhandelt.

Die Erziehungswissenschaft steht in Anbetracht der skizzierten Entwicklungen vor der Herausforderung, die sich ihren Weg bahnende kulturelle Transformation in den großen Umschriften, die sie für Lern- und Bildungsprozesse, für Biographien, wie auch für Gesellschaften und das eigene disziplinäre Selbstverständnis erzeugt, ebenso zu bilanzieren wie kritisch Nuancierungen des Digitalen als new normal zu reflektieren. Epistemologische und ethische Fragen, etwa wie sich der Raum des Sicht- und Sagbaren durch die Datafizierung aktueller Wirklichkeiten verschiebt und welche sozialen Ungleichheiten hierbei erzeugt werden, verlangen in erziehungswissenschaftlicher Perspektive genauso nach Diskussionen, wie es anthropologische und ästhetische tun, die u.a. der widersprüchlichen Gleichzeitigkeit von algorithmisierten Ordnungen auf der einen und einer Dynamisierung hybrider Subjektkulturen auf der anderen Seite nachspüren (Ha 2005) oder Varianten einer digitalen Ästhetisierung der Welt fokussieren.


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