Lena M. Friedrich (Dipl. Soz.päd.)
Kurztitel der Dissertation: Soziale Strukturen und Semantik
Zu den Bedeutungen und Bedeutungsentwicklungen von Klasse und Schicht in der soziologischen Wörterbücherei
Erstgutachter:in (Betreuer:in): Prof. Dr. Oliver Dimbath (Koblenz)
Zweitgutachter:in: Prof. Dr. Clemens Albrecht (Bonn)
Kurzbeschreibung:
Für die Soziologie als „Fach, dessen Theorien vorwiegend in natürlicher Sprache geschrieben werden“ (Anicker/Brichzin/Kern i. E.: 10) stelle ein kritisches „begriffstheoretisches Bewusstsein“ sowohl einen Garanten für die wissenschaftliche Verständigung – vor allem auch zwischen unterschiedlichen soziologischen Paradigmen – als auch eine relevante Grundlage für die Identifikation und Rekonstruktion zugrunde liegender Strukturen des Denkens und des Wissens dar. So unterstreichen die Herausgeber:innen des demnächst erscheinenden Sonderbands der Sozialen Welt: Begriffe als Werkzeuge der Soziologie, dass auch „[b]egriffstheoretische Kenntnisse […] zum methodologischen Grundwissen der Soziologie gehören“ (ebd.: 11) sollten und plädieren daher für die Pflege und den Ausbau des Begriffswissens in der Soziologie.
An dieses Plädoyer für eine kritische, methodisch reflektierte Begriffsarbeit schließt die Dissertation mit der begriffshistorischen Analyse der Bedeutungen und Bedeutungsentwicklungen der Semantik sozialer Strukturen an, ausgehend von den zentralen sozialstrukturellen Begriffen soziale Klasse und soziale Schicht in der „soziologischen Wörterbücherei“ (Dimbath 2016). Vor dem Hintergrund der soziologischen Grundfrage nach sozialer Ordnung und Struktur wird das „‚Auf-den-Begriff-Bringen‘ von Gesellschaft“ (Nolte 2020: 16) erörtert und aufbauend auf der wissenssoziologischen Grundannahme von der „‚Seinsverbundenheit‘ des Denkens“ (Mannheim 1931) die Bedeutung der Sprache und der Begriffe für die Beschreibung, Repräsentation und Deutung sozialer Wirklichkeit exploriert.
Ziel der Dissertation ist es, die Soziologie und insbesondere die Soziologie sozialer Ungleichheit mittels einer begriffshistorisch fundierten, wissenssoziologischen Reflexion über ihre eigenen komplexen Semantiken und kontingenten terminologischen Festlegungen, über ihre Ordnungsmuster und unbewussten Denkschematismen in Kenntnis zu setzen. Damit wird zugleich ein begriffshistorisch-rekonstruktiver Ansatz als Methode für die soziologische Wissensforschung vorgeschlagen.
Bisherige Publikationen aus dem Dissertationsprojekt:
(i. E.): Begriffene Strukturen. Ein Plädoyer für die Berücksichtigung begriffshistorischer Analysen in der komparativen Sozialstrukturforschung, in: Fabian Anicker, Jenni Brichzin & Thomas Kern (Hrsg.), Begriffe als Werkzeuge der Soziologie (Soziale Welt, Sonderband 27), Baden-Baden: Nomos, S. 178–211.
(2025): Soziale Strukturen in Zeit und Raum. Begriffsanalysen in der komparativen Sozialstrukturforschung, in: Forum Interdisziplinäre Begriffsgeschichte, Schwerpunkt Mit Koselleck über Koselleck hinaus, E-Journal, 13./14. Jg. 2024/25, H. 1, hg. v. Falko Schmieder, Berlin: ZfL, S. 20–33.
(2021): Sozialstruktur im (Be)Griff? Eine wissens- und kultursoziologische Reflexion der Sozialstrukturanalyse, in Oliver Dimbath/Michaela Pfadenhauer (Hrsg.), Gewissheit. Beiträge und Debatten zum 3. Sektionskongress der Wissenssoziologie, Weinheim/Basel: Beltz Juventa, S. 874-882.
Kontakt (Email): friedrich@uni-koblenz.de
Förderer/Mittelgeber/Affiliation:




