Erfolgreiche Exkursion nach Paris

Im Sommersemester führten das Institut für Geschichte und das Institut für Evangelische Theologie gemeinsam eine Exkursion nach Paris durch, die sich schwerpunktmäßig mit Objekten aus der umfangreichen Sammlung des Louvre befasste. An Originalobjekten untersuchten die teilnehmenden Studierenden Alltag, Religion und Lebensalter in der Antike, indem sie Praktiken, soziale Rollen und religiöse Deutungen nachvollzogen, die in Texten oft nur ausschnitthaft oder normativ greifbar sind.
Michaela Bauks, Professorin für Altes Testament und Religionsgeschichte, und Veronika Egetenmeyr, Juniorprofessorin für Alte Geschichte und die Kulturen ihrer Vermittlung hatten die Themenfelder in einer begleitenden Übung gemeinsam mit den Studierenden sowie mit den Doktoranden Madgalena Streicher und Ove Frank erarbeitet und für die Exkursion vorbereitetet. Zentral hierbei war die Auseinandersetzung darüber, wie Museen Wissen ordnen und wie Objekte als Träger sozialer und religiöser Bedeutungen historische Lebenswelten erschließbar machen.
Kooperation mit dem Institut Protestant de Théologie de Paris

Im Rahmen der Exkursion fand eine Kooperation mit dem Institut Protestant de Théologie de Paris statt. Beim Besuch des Instituts informierte Dr. Axel Bühler, der dort als Maître de conférences im Schwerpunkt Altes Testament lehrt, über die Studien- und Forschungsmöglichkeiten vor Ort – insbesondere mit Hinblick auf die ERASMUS+ Partnerschaft mit der Universität Koblenz. Darüber hinaus wurde der wissenschaftliche Austausch zu den Themen Religion und Alltag mit Hinblick darauf, wie sich antike Lebenswelten aus materiellen, textuellen und topographischen Quellen rekonstruieren lassen, weiter vertieft.
Das Institut Protestant de Théologie de Paris verfügt außerdem mit der Bibliothèque Raoul Allier über eine reichhaltige Forschungsbibliothek, die verschiedene Bereiche der Religionswissenschaft umfasst und mit dem Fonds Ricoeur, der Arbeitsbibliothek des Philosophen Paul Ricoeur, eine einzigartige Sammlung beinhaltet.

Objektstudien im Louvre in Kleingruppen
Kern der Exkursion bildete der mehrtägige Besuch des Louvre: Im Museum selbst wurden Expert:innengruppen gebildet, die in einer breiten Palette von Themen den Louvre erkundeten:
Die Beziehung zwischen Menschen- und Götterwelt, z.B. in Vorstellungen vom König als Sohn oder Abbild Gottes, sowie das Verhältnis von Tempel und Palast ließen sich in ganz unterschiedlicher Weise an der bedeutenden Mescha-Stele und der Kudurru des Meli-Shipak, einer babylonischen Stele, diskutieren. Das Pantheon, die Gesamtheit der Götter, und seine unterschiedlichen Darstellungen konnte anschaulich an den antiken Skulpturensammlungen nachvollzogen werden.
Antike Weltbilder, Seelenvorstellungen und Opferkult wurden anhand konkreter Objekte greifbar, wie z.B. den Votivstelen, die als symbolische Opfergaben in Form einer nachgebildeten Hand an heiligen Orten hinterlassen wurden. Darüber hinaus wurden Alltagsthemen, wie Arbeitsteilung, Gender und Status, Esskulturen und Freizeitgestaltung an Kinderspielzeugen, Schmuckgegenständen, Gefäßen und Figurinen sichtbar. Zahlreiche Inschriften verdeutlichten die Bedeutung der Schriftlichkeit für die Repräsentation von Macht, Religion sowie Recht und Verwaltung.
Außerdem wurde der Louvre selbst als historischer Ort thematisiert, der sich von einer mittelalterlichen Befestigungsanlage über einen königlichen Residenzkomplex zum modernen Museum gewandelt hat. Die mittelalterlichen Grundmauern aus dem 12. Jahrhundert und die darin enthaltenden Steinmetzzeichen konnten die Teilnehmenden im Untergeschoss des Louvre erkunden. Als Raum kuratorischer Ordnung besitzt der Louvre zudem eine Bedeutung für gegenwärtige Geschichtsbilder: Die Studierenden reflektierten vor Ort, wie die musealen Präsentationsweisen die Wahrnehmung antiker Lebenswelten beeinflussen.
Weitere Programmpunkte
Zum weiteren Programm gehörten der Besuch der einzigarten Basilika von Sacré-Cœur, die nach byzantinischem Vorbild über einem ursprünglich gallo-römischen Heiligtum errichtet wurde, des Musée de Cluny, das auf den römischen Thermen des antiken Lutetia erbaut wurde, sowie der Crypte archéologique neben der berühmten Kathedrale Notre Dame, in der archäologische Funde von der Antike bis ins 19. Jahrhundert Aufschluss über die Besiedlungs- und Stadtgeschichte von Paris geben.
Die Exkursion bot die besondere Gelegenheit, das im Rahmen der Lehrveranstaltung erworbene Wissen an konkreten Objekten im Museum zu diskutieren und weiter zu vertiefen: Das Lernen vor Ort, die praktische Erfahrung und das Üben am Objekt erbrachten hierbei einen deutlichen Mehrwert für die Studierenden. Aufgrund seiner historischen und gegenwärtigen Bedeutung für die europäische und globale Kulturgeschichte erwies sich Paris als herausragender Lernort, um zentrale Dimensionen antiker Lebenswelten in ihrer materiellen Überlieferung zu erschließen.

Fotos: J. Brötz (Transfer FB2)






