Ringvorlesung „Fluide Geschlechterbewegungen“
Die Ringvorlesung vereinte unterschiedliche – historische wie gegenwartsanalytische – Blickwinkel auf den Phänomenbereich fluider Geschlechterbewegungen. Eröffnet wurde die Reihe am 22. April 2026 mit einem Grußwort der Vizepräsidentin für Forschung und Transfer Claudia Quaiser-Pohl sowie einer Begrüßung von Corinna Herr und Nicole Hoffmann. In ihrer thematischen Einführung legte Corinna Herr der Reihe einen weiten Begriff von Fluidität zugrunde: Fluide Bewegungen verlaufen nicht notwendigerweise linear zwischen zwei fixen, dichotomen Polen; Fluidität schließt auch minimale Veränderungen eines volatilen Zustands ein.
In zehn Vorträgen präsentierten Mitglieder, Partner*innen und Gäste des Potentialbereichs III „Transition und Transgression: Fluide Geschlechterbewegungen“ ihre Überlegungen zu diesem Themenkomplex. Präsent waren dabei Ansätze aus verschiedenen Fächern (unter anderem Germanistik, Amerikanistik, Musik-, Politik- und Kulturwissenschaft, Soziologie und Pädagogik) zu Geschlechterkonstruktionen und deren Bewegung in diversen gesellschaftlichen Feldern sowie verschiedenen Kunstformen, Text- und Mediensorten, etwa in Opernpartien, Ratgeberliteratur und Gedichten sowie Reiseberichten, Autobiografien und Tagebüchern.
Im Zentrum der Vorträge stand die Frage der Verbindung von Transition und Transgression, das heißt von Veränderungen in Wahrnehmung und Inszenierung von Geschlecht in Verknüpfung mit der Konstitution von kategorialen wie normativen Grenzen und deren Überschreitungen sowie der damit unter Umständen verbundenen Umkämpftheit von Geschlecht auf Mikro-, Meso- und Makroebene. Damit verbunden waren die Fragen, wo und wie Normierungen von Geschlecht Ausdruck finden und wie auf ihre Überschreitung reagiert wird, mit Sanktion oder Ermutigung, sowie ob Räume vorstellbar sind, in denen Transition und Transgression entkoppelt sind. Neben verschiedenen Modi der Fluidisierung von Geschlecht zeigten mehrere Beiträge auch Fixierungen: durch Alltagsgegenstände, Infrastrukturen und Institutionen, medizinische Begutachtung der Frühen Neuzeit wie der Gegenwart sowie koloniale Geschlechterordnungen. In den Diskussionen geriet auch das Verhältnis der beiden zentralen Begriffe selbst in Bewegung: ob eine Überschreitung zu einer Veränderung führt und ab wann von einer Transition zu sprechen wäre.
Sommersemester 2026
Ringvorlesung
„Fluide Geschlechterbewegungen“
Die Ringvorlesung war eine gemeinsame Veranstaltung des Potentialbereichs III „Transition und Transgression: Fluide Geschlechterbewegungen“ mit dem Zertifikat Gender Studies und dem Kulturwissenschaftlichen Kolloquium am Fachbereich 2.
Die Vorlesungsreihe fand im Sommersemester 2026 am Campus Koblenz-Metternich statt.
Masterstudierende der Kulturwissenschaft begleiteten die Reihe durch eine Vor- und Nachbereitung der Vortragsabende.
22. April 2026
Prof. Dr. Claudia Quaiser-Pohl (Vizepräsidentin für Forschung und Transfer),
Prof. Dr. Corinna Herr und Prof. Dr. Nicole Hoffmann: Begrüßung und Einführung
Corinna Herr (Koblenz)
Fluide Geschlechterbewegungen in der Musik: Von den Kastraten bis zu Harry Styles
29. April 2026
Maximilian Schochow (Gera)
Geschlechterkonstruktionen im 17. Jahrhundert. Medizinische Diskurse und die „Wahrheit“ des Geschlechts
06. Mai 2026
Uta Schaffers und Nicole Maruo-Schröder (Koblenz)
Körper in Bewegung: Genderbezogene Körperdiskurse im Kontext von Reise und Reiseliteratur
13. Mai 2026 (entfallen)
Stefan Neuhaus (Koblenz)
Fluide Männlichkeiten in Literatur und Film
20. Mai 2026
Nicole Hoffmann (Koblenz)
„Queer Chameleon and Friends“ – Angebotsräume geschlechtlicher Identitäten in populären Ratgebern
Nicole Zillien (Koblenz)
It's a binary world! Überlegungen zu Affordanzkonzept und Genderfluidität
03. Juni 2026
Louka Maju Goetzke (Koblenz)
Transition und Formbarkeit. Sexuologische Geschlechterbewegungen
Ina Kerner (Koblenz)
Transgression und Fixierung. Koloniale Geschlechterbewegungen
10. Juni 2026 (entfallen)
Dúnlaith Bird (Paris)
Gender Reveals: Boxing and Unboxing Women [auf Englisch]
17. Juni 2026
Katharina Fürholzer (Koblenz)
Nach dem Tod kein Neutrum: Narrative Verhandlungen postmortaler Geschlechtsidentität
24. Juni 2026
Elena Erstling (Tübingen)
Making up nonbinary people. Leibtheoretische Überlegungen zur Institutionalisierung einer Personenkategorie im Kontext von Intimbeziehungen
01. Juli 2026
Aline Vogt (Basel)
(Geschlechter-)Grenzen überschreiten vor der Moderne. Das Beispiel von Christina von Schweden (1626–1689)



