Interdisziplinäre Podiumsdiskussion im Rahmen der Nacht der Forschung: „Arm, am falschen Ort und früher tot? Was Daten über regionale Unterschiede bei der Lebenserwartung verraten können“

Gibt es markante regionale Unterschiede der Lebenserwartung – und wenn ja, wo und warum? Wie können Regionen so entwickelt werden, dass gleichwertige Lebensverhältnisse geschaffen werden und ist dies überhaupt erforderlich? Welche Daten sind für die Forschung verfügbar und wie können Verbesserungen erreicht werden?
Zu diesen Fragen tauschten sich, moderiert von PD Dr. Thomas Brühne (Universität Koblenz, Abteilung für Geographie), Expert*innen der Universität Koblenz, Universität Rostock und dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) auf dem Podium aus, das im Rahmen der universitätsübergreifenden Nacht der Forschung stattfand. Es wurde deutlich, dass die interdisziplinäre Forschung rund um dieses Thema unmittelbar mit der Lebenswirklichkeit von Menschen zusammenhängt und Erkenntnisse für Raumordnung, Landesplanung und Regionalpolitik bieten kann.
Der durch die Veranstaltung unterstützte fächerübergreifende Dialog, so betonte Prof. Dr. Claudia Quaiser-Pohl (Universität Koblenz, Vizepräsidentin für Forschung und Transfer) in ihrem Grußwort, sei essentiell, um umfassende Erkenntnisse erlangen zu können, welche auch in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft getragen werden müssten.

Eine einfache Lösung, die regionale Unterschiede bei der Lebenserwartung erklären und beheben kann, so waren sich die Podiumsgäste einig, müsste noch gemeinsam errungen werden. Schon die Messung der regionalen Unterschiede sei eine Herausforderung, der Prof. Dr. Roland Rau (Universität Rostock, Lehrstuhl für Demographie) in einer Studie mit modernen statistischen Verfahren begegnet. Die aktuellen Forschungsergebnisse legen nahe, so Prof. Dr. Bernhard Köppen (Universität Koblenz, Abteilung für Geographie), dass die Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse durchaus auch den Aspekt Gesundheit einschließen kann. Nur stellt sich die Frage, ob gute wirtschaftliche und soziale Rahmenbedingungen bereits ausreichen, um Disparitäten sukzessive abzubauen oder ob sich ein eigenes Handlungsfeld für Planung und Politik ergibt. Auch gäbe es Rahmenbedingungen, die kaum beeinflusst werden können.
Für Dr. Jana Hoymann, die am BBSR als stellvertretende Referatsleiterin Raumentwicklung eine an der Umsetzung orientierte Perspektive einnimmt, ist die Lebenserwartung ebenfalls nicht nur ein Gesundheitsindikator, sondern ein Hinweis auf regionale Entwicklungsprozesse. Möglichst gleichwertige Lebensverhältnisse ließen sich durch eine Daseinsvorsorge, die gezielt in den einzelnen Regionen angegangen werden müsse, unterstützen. Welche Maßnahmen tatsächlich wirksam sind, müsse dabei auch aus ökonomischer Perspektive beleuchtet werden, so Prof. Dr. Timo Mitze (Universität Koblenz, Arbeitsgruppe Ökonomie). Das Wissen aus der Forschung, das auf einer geeigneten Datengrundlage fußen müsse, sei wichtig, damit bereits „der nächste Euro“ effektiv und gemeinwohlorientiert eingesetzt werden könne.
In der anschließenden Fragerunde, die dem Publikum die Gelegenheit gab, sich aktiv einzubringen, wurden die behandelten Themen aufgegriffen, weitere Aspekte der Lebenserwartung benannt und betont, dass Gesellschaft und Politik sich für die Zukunft die Frage stellen müssen, welche Aspekte in Bezug auf Gesundheit, Lebensverhältnisse und Regionalentwicklung im Fokus stehen sollen.

Ermöglicht wurde die interdisziplinäre Podiumsdiskussion im Rahmen des Förderprojekts CZS MINT-Forum im Interdisziplinären Forschungs-, Graduiertenförderungs- und Personalentwicklungszentrum der Universität Koblenz (IFGPZ) durch die Unterstützung der Carl-Zeiss-Stiftung.



